Apollonov-Stoliczka Inseln - Franz-Joseph-Land

 

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Allgemeines, Landschaft:

Eine Gruppe kleiner eisfreier Felsinseln östlich der Payer Insel im Norden des Austria Sundes. Die am weistesten östlich gelegene, langgestreckte Hauptinsel Stoliczka hat eine Länge von gut 2 km und stürzt auf ihrer Südostseite relativ steil ab (maximale Höhe 81m), während der Abfall nach Nordwesten sanfter ist, Fläche ca. 1 km². Die zwischen Stoliczka und dem Kap Ostryj Nos der Payer Insel gelegene, nur wenige hundert Meter durchmessende Appolonow Insel ist runder, mit einer flach nach Nordwesten auslaufenden Landspitze und ebenfalls steileren Felsen auf der Südostseite. Nördlich der Appolonow Insel liegt schließlich noch das ca. 3 km lange Milowsorow Riff, dessen Felsen sich mit einigen Durchbrüchen wenige Meter aus dem Meer heben. Das Wasser zwischen diesen Inseln und Riffen ist ziemlich flach. 
Die Inselstrände sind schon seit den Pionierexpeditionen als häufig von Walrossen genutzter Ruheplatz bekannt, in etlichen Jahren allerdings wegen der hier im Norden oft den ganzen Sommer hindurch schwierigen Eisverhältnisse nicht unbedingt erreichbar. Hinzu kommt ihre relativ offene Lage, die sie dem Seegang aussetzt und damit bei unruhiger See Annäherungen mit kleinen Booten verhindert.


Biologie:

Die sanfter abfallenden nordwestlichen Teile der beiden Inseln bieten teilweise etwas Tundravegetation, während das Riff bis auf Flechten und Algen kaum Pflanzenwuchs aufweist. Bekannt sind die Inseln vor allem wegen der häufig hier am Strand ruhenden Walrosse. Darüber hinaus bergen die Felswände insbesondere der Stoliczka Insel jedoch auch Brutkolonien von Alle alle (Krabbentaucher), Cepphus grylle (Gryllteiste), Rissa tridactyla (Dreizehenmöwe) und Larus hyperboreus (Eismöwe), dieselben Arten in geringerer Zahl auch auf Apollonow.


Geschichte und Name:

Zumindest die beiden Inseln wurden bereits von Payers Schlittenfahrt von der TEGETTHOFF nach Norden im Frühjahr 1874 entdeckt. Die größte Insel wurde nach dem mährischen Geologen und Paläontologen Ferdinand Stoliczka (1838-1874) benannt.
Zu Zeiten der Walroßjagd insbesondere in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden die Inseln aufgrund ihrer abgelegenen Position und häufig schwieriger Eisverhältnisse auf dem Weg dorthin seltener angesteuert, als der Süden der Inselgruppe.
Bedeutung menschlicherseits kommt den Appolonow-Stoliczka Inseln daher vor allem erst in den letzten Jahrzehnten als touristisches Ziel zu.

 

Touristisches:

Siehe auch: Opens internal link in current windowReisemöglichkeiten

Apollonov-Stoliczka ist der bekannteste Walross-Ruheplatz in Franz-Joseph-Land und wird daher gern in Ausschreibungen genannt - teilweise allerdings auch aus Unkenntnis von Alternativen bei einigen Anbietern mit wenig oder gar keiner vorhergehenden Ortskenntnis. Aufgrund der wenig geschützten Lage ist Appolonow-Stoliczka bei Wind und Seegang nicht unbedingt der für Bootsexkursionen geeignetste Ort. In einigen Jahren behindert auch Eis den Zugang. Erfahrene Expeditionsleiter kennen weitere Alternativen.

Achtung: Die hier am Strand ruhenden Walrosse haben sich mehrfach als extrem leicht beunruhigbar erwiesen. Eine Teilursache könnte sein, daß sich ein größerer Teil der Tiere hier gern relativ hoch auf den Strand hinauf robbt und angesichts ihrer geringen Beweglichkeit an Land und Sorge um die Jungen entsprechend vorsichtiger ist. Selbst die Motorgeräusche eines Schiffs in mehr als 1 Seemeile Abstand haben schon zu Fluchtreaktionen einiger Tiere ins Wasser geführt. Das Schiff sollte daher in großem Abstand ankern und die Ankerkette sehr vorsichtig ablassen. Eine Landung mit Hubschraubern ist ebenso inakzeptabel, wie Rundflüge über den Ruheplätzen. Eine Annäherung mit Schlauchbooten sollte langsam und gut sichtbar für die Tiere erfolgen (kein Überraschungsschreck), wobei die Boote stets dicht beisammen bleiben, um nicht den Eindruck gleichzeitiger Bedrohung aus verschiedenen Richtungen zu erwecken. Bei geringsten Nervositätszeichen in der Herde wird gestoppt, ggf. zurückgewichen. Mit Geduld (und entsprechend viel Zeiteinsatz) ist auf diese Weise eine Annäherung auf ein paar hundert Meter möglich, gelegentlich auch näher, ohne eine panische Stampede ins Wasser auszulösen, bei der Jungtiere erdrückt werden können. Das Verursachen einer Flucht eines Großteils einer Herde ins Wasser ist aus Naturschutzsicht daher unbedingt zu vermeiden.
Eine Landung empfiehlt sich hier bestenfalls bei sehr geringen Teilnehmerzahlen und ist häufig auch aufgrund eines oder mehrerer Eisbären an Land in Herdennähe nicht angemessen.

Sicherheit: Wie bei allen Walroßkolonien ist mit leichten Booten von den Tieren im Wasser respektvoller Abstand und eine ausreichende Mindestfahrt einzuhalten, um gefährlichen Situationen rasch entkommen zu können. Hierzu gehört auch Disziplin aller Mitfahrenden trotz aller Begeisterung: unbedingt im Boot sitzenbleiben, um nicht durch unerwartete Stöße oder Beschleunigung über Bord fallen zu können. Selbst ein spielerisch ein Schlauchboot untersuchendes Walroß kann dieses ernsthaft beschädigen - und im Wasser sind die Tiere äußerst geschickt.

Die kargen Felseninseln sind...
... Wind und Seegang sehr ausgesetzt.
Je nach Wind- und Wellenrichtung gibt es ...
dazwischen jedoch geschützte Strandbereiche, ...
wo sich Walrosse im Flachwasser oder am Ufer ausruhen.

Letzte Änderung: 28.12.2012