Eva-Liv (Yeva-Liv) Insel (Hvidtenland) - Franz-Joseph-Land

 

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Allgemeines, Landschaft: Die in Ost-West Richtung ca. 28 km durchmessende und ca. 290 km² große Doppelinsel wird nahezu komplett von zwei sich hoch aufwölbenden und fast rundum ins Meer abbrechenden Eiskuppeln (Wostok 3 und Wostok 4) bedeckt und liegt ganz im Nordosten des Archipels. Der höchste Punkt ist ca. 300 m hoch. Auf der Nordseite ist mittlerweile die kleine Mesyatseva Insel durch Zurückweichen des Eises von Eva-Liv getrennt und es steht zu vermuten, daß bei weiterem Abschmelzen der Eiskuppen auch Eva-Liv irgendwann sich als aus zwei Inseln bestehend herausstellen wird, die derzeit noch durch ihre zusammenstoßenden Eisschilde verbunden sind.
Die einzige etwas größere eisfreie Fläche ist eine kleine flache Landspitze auf der Westseite, fast frei von Vegetation, der einige Felsen im Wasser vorgelagert sind.
Geologisch gehört Eva-Liv (mit  Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterHoffmann und  Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterRainer) zu den wenigen Orten des Archipels, wo mittleres und frühes Trias oberflächig anstehen.

 

Nur im Westen gibt es eine kleine, flache eisfreie Landspitze.

Geschichte: Von Nordosten kommend, sichteten Nansen und Johansen im August 1895 die Insel als ersten Landpunkt seit Verlassen der FRAM, nachdem sie vorher vergeblich versucht hatten, zu Fuß von der FRAM aus zum Nordpol vorzustoßen und anschließend südwärts marschierten, um wieder die Zivilisation zu erreichen. Der neu entdeckten Insel gaben sie aufgrund ihrer praktisch vollständigen Vereisung den Namen Hvidtenland (Weißes Land). Es ist anzunehmen, daß die Eiskappe damals noch größer war, sodaß die heutigen kleinen eisfreien Bereiche weitestgehend überdeckt waren. Mangels richtig gehender Uhr waren Nansen und Johansen nicht in der Lage, den Längengrad ihrer Position zu bestimmen und die einzige damals verfügbare Karte von Franz Josef Land war die von Payer, die hier im höchsten Norden zahlreiche nicht existierende Landmassen zeigt. Daher konnten die Beiden die vorgefundenen Inseln keiner ihnen bekannten Inselgruppe zuordnen. Sie umgingen die wegen ihrer praktisch kompletten Vereisung für sie wenig interessante Doppelinsel, die sie nach Nansens Frau Eva und deren beider erster Tochter Liv Eva-Liv nannten, nördlich auf dem geschlossenen Meereis und zogen weiter nach Südwesten, um dann auf der  Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterJackson Insel improvisiert zu überwintern.
Mit Ausnahme dieser Episode spielte Eva-Liv keine besondere historische Rolle und wird nur selten von Expeditionen besucht, u.a. von einer russischen Forschergruppe 2006.

Touristisches: Eva-Liv spielt touristisch keine Rolle da die Insel zum einen an Land weder historische Plätze, noch außergewöhnliche Landschaft zu bieten hat und nur über eine einzige kleine flache eisfreie Landspitze (teils morastig) verfügt, von der unspektakulär die Eiskappe ansteigt. Zum anderen ist die Annäherung zeitaufwändig: Die umgebenden Gewässer sind großräumig bisher kaum vermessen, und gleichzeitig offenbar nicht allzu tief, sodaß auch bei günstigen Eisbedingungen (selten !) eine Annäherung per größerem Schiff wegen kaum bekannter Wassertiefen nur mit großer Vorsicht und entsprechend langsam erfolgen sollte. 
Die letzten touristischen Besucher waren vermutlich die Berufsabenteurer Børge Oustland und Thomas Ulrich, die 2007 die Tour von Nansen und Johansen nachvollzogen und dabei nach rund 1000 km über das Nordpoleis am 14. Juni Eva-Liv für eine Übernachtung auf einem schmalen Ufersaum erreichten.


Letzte Änderung: 24.04.2011