Salisbury Insel (Остров Солсбери, Ostrow Solsberi) - Franz-Joseph-Land

 

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Allgemeines, Landschaft:
Die Salisbury Insel liegt im nördlichen Zentrum des Archipels und ist mit einer Fläche von 960 km² dessen sechstgrößte Insel. Aufgrund der teils sehr engen Sunde zwischen ihr und den nächsten Nachbarn Champ, Luigi, Ziegler und Wiener Neustadt Insel in denen sich das Wintereis in einzelnen Jahren sogar den ganzen Sommer hindurch halten kann, sind große Teile der Küsten oft schwer zugänglich. Der Inselkörper besteht im Wesentlichen aus den Resten eines ehemaligen Plateaus, dessen Oberfläche durch die Erosion in zahlreiche Bergrücken und kleinere Plateauberge stark zergliedert wurde, wobei das Land bis in die Gipfellagen hinauf weitgehend von Eis bedeckt ist. Höchste Erhebung: 482 m. Größere eisfreie Bereiche fehlen, mit Ausnahme einiger schmaler Strandsäume und Felswände, sowie einiger Gipfelplateaus. Spektakulär sind die steilen Felsklippen von Kap Fisher am Nordwestende der Insel, sowie die schmale Pohndorff Enge (teilweise nur wenige hundert Meter breit) ganz im Südwesten zwischen den Gletscherfronten der Salisbury und der Champ Insel.
Dem relativ frei liegenden Kap Fisher als Nordwestende der Salisbury Insel ist die kleine (Mary) Elizabeth Insel (unvergletschert, bis ca. 120 m hoch, rund 10 km²) vorgelagert (Bild weiter unten), sowie direkt vor der Nordostküste die winzigen Kuschin Inselchen.

Biologie: Aufgrund der weitgehenden Vergletscherung der Salisbury Insel fehlen nennenswerte flachere Tundragebiete. Vegetation gibt es daher nur minimal, primär in Form von Flechten und Moosen auf und zwischen Steinen im Bereich eisfreier Felswände, Gipfelflächen, Steilhänge und Ufersäume. Lediglich unter Vogelfelsen existiert örtlich begrenzt auch eine produktivere Vegetation. Da eisfreies Land weitgehend nur in Form von Felswänden und Steilhängen vorhanden ist, besteht die sommerliche Vogelwelt der Salisbury Insel primär aus Seevogelarten, die die Felswände und Steilhänge als Brutplätze nutzen: Alle alle, Rissa tridactyla, Cepphus grylle, daneben auch Uria lomvi, Fulmarus glacialis.

Öffnung der Pohndorff Enge zwischen Champ und Salisbury Insel, hinten die Hayes Insel. Anklicken für vergrößertes Bild !
Vorn: Südosten der Salisbury Insel, hinten: Wiener-Neustadt-Insel. Anklicken für vergrößertes Bild !

Geschichte: Der Süden der Insel wurde bereits durch die TEGETTHOFF Expedition im Frühjahr 1874 gesichtet (dabei aber für einen Teil des angenommenen "Zichy Land" gehalten), während der Nordwesten erstmalig durch die Jackson-Harmsworth Expedition im Frühjahr 1895, und dann wieder von der STELLA POLARE Expedition 1899 erreicht wurde. Aufgrund der engen Sunde und der schwierigen Eisverhältnisse in diesem Teil des Archipels wurden die Küsten der Salisbury Insel erst durch die Fiala-Ziegler Expedition (1903-1905) vollständig grob kartiert. Ansonsten spielte die Insel in der Geschichte des Archipels bisher keine besondere Rolle.

Namen: Benannt wurde die Insel durch Jackson, der am 27. April 1895 erstmalig ihren Norden erreichte und diesen mit Kap Fisher, Kap McClintock, Kap Harkness und Kap Sybil Montefiore auf seiner Karte vermerkte. Der Namenspate der Insel wäre zu prüfen: oft wird ohne weitere Belege der amerikanische Geologe Rollin D. Salisbury genannt, der 1895 an der Suchexpedition nach Peary in Nordgrönland beteiligt war. Zu der Zeit war Jackson schon lange in Franz-Josef-Land und dürfte über diese amerikanische Expedition wenig erfahren haben, auch sonstige Berührungspunkte zwischen dem amerikanischen Geologen und dem Briten Jackson sind mir unbekannt, während gleichzeitig der englische Lord Robert Cecil Marquess of Salisbury langjähriger und bedeutender britischer Premierminister und Außenminister zur Zeit der Jackson Expedition war und insofern ein vielleicht naheliegenderer Namenspate wäre.
Die Kap Fisher vorgelagerte Mary Elizabeth Insel (Остров Елизаветы) wurde von Jackson 1895 nach seiner gleichnamigen Mutter benannt. Im Internet teilweise zu findende österreichisch-hyperpatriotische Zurückführungen (ähnlich bei Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterAlexandra Land und Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterGeorge Land) des Namens auf Erzherzogin Maria Elisabeth von Österreich sind demgegenüber wenig plausibel - u. a. konnte die Insel von der österreichisch-ungarischen TEGETTHOFF Expedition 1874 vermutlich noch nicht einmal gesehen werden.
Die Kuchin Inseln (Острова Кучина) wurden zu Sowjetzeiten nach dem russischen Polarfahrer Alexander Kuchin (auf der FRAM mit Amundsen zur Antarktis, verschollen mit Rusanovs HERCULES) benannt.

Touristisches: Die Salisbury Insel wird kaum besucht. Kap Fisher ist vom Schiff aus mit seinen Felsformationen ein imposanter Anblick, ebenso die schmale Öffnung der Pohndorff Enge zwischen Champ und Salisbury Insel (unzureichend vermessen, Passage mit kleinen Booten wegen Kalbungen sowie möglicher Blockade durch Treibeis unsicher - in der ca. 6 km langen und teils nur wenige hundert Meter breiten Enge zwischen den Eisfronten gibt es keinen sicheren Landeplatz).

Norden der Salisbury Insel, von der Ziegler Insel aus gesehen.
Kap Harkness an der Nordostküste.
Kap McClintock ist der nördlichste Punkt der Salisbury Insel.
Die nordwestlich vorgelagerte (Mary) Elizabeth Insel.

Letzte Änderung: 19.02.2013