Ziegler Insel - Franz-Joseph-Land

 

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Allgemeines, Landschaft: Die Ziegler Insel liegt relativ schlecht zugänglich mitten im Franz-Josef-Land Archipel und zählt mit ca. 450 km² zu den mittelgroßen Inseln, von ihren Nachbarn im Norden, Osten und Süden durch teils nur sehr schmale und oft selbst den ganzen Sommer hindurch mit solidem Eis bedeckten Sunden getrennt. Ihre maximale Länge ist ca. 45 km, bei überwiegend relativ geringer Breite. Wie vielerorts im Archipel, steigen die Küsten überwiegend relativ steil aus dem Meer auf und über große Strecken bilden Gletscherabbruchfronten die Küstenlinien. Die höchsten Erhebungen der Insel erreichen ca. 550 m über dem Meer, der größte Teil der Insel ist vergletschert. Von kleineren Uferabschnitten und Steilflanken sowie Bergkanten im Inland abgesehen, gibt es nur im Nordwesten einen flachen eisfreien Bereich quer über die dort nur ca. 1 km breite Insel mit karger Tundravegetation.

Geschichte: Das Südende der Ziegler Insel wurde bereits von der Erkundungstour der TEGETTHOFF Expedition nach Norden unter Leitung Payers im Frühjahr 1874 gesichtet und ungefähr auf deren Karte eingezeichnet, allerdings nicht als Teil einer eigenen Insel.
Die Jackson-Harmsworth Expedition (1894-97) entdeckte die Nordwestspitze (Kap Brice). 1895/96 überwinterten Nansen und Johansen auf der nördlich gegenüberliegenden Jackson Insel (Kap Norvegia), nur wenige Kilometer vom Nordende der Ziegler Insel entfernt. Doch erst durch die Fiala-Ziegler Expedition (1903-05) wurde die Ziegler Insel als eigenständige Insel erkannt und kartiert.
In der Geschichte des Archipels spielte die Ziegler Insel keine besondere Rolle.

Nördlichster Teil der Westküste
Blick entlang der Westküste nach Südosten
Im Norden gibt es einen kleinen eisfreien Tundrabereich quer über die Insel.

Indirekt wurde sie im Zeitraum 1993-1997 ein Medienschauplatz, als der ORF dort einen großen Teil der Außenaufnahmen für einen Dokumentarspielfilm über die Entdeckungsexpedition mit der TEGETTHOFF unter Leitung von Payer und Weyprecht (1872-74) drehte. Während andere Teile des Films im Studio oder an leichter zugänglichen Plätzen, bzw. mit Modellschiff in Österreich gedreht wurden, wurde für einen Teil der Aufnahmen mit einem gewaltigen Logistikaufwand eine vorgefertigte 1:1 Kopie des Überwasserteils der TEGETTHOFF mit dem Atomeisbrecher TAIMYR nach Franz-Joseph-Land gebracht und auf einer Untiefe an der Nordküste der Ziegler Insel nachgebaut. Eine unmittelbare Räumung des Filmsets nach den Aufnahmen erwies sich als nicht möglich, sodaß das Kulissenschiff und die übrigen Anlagen mehrere Jahre am Platz verblieben und erst, soweit nicht von Stürmen verstreut, im Sommer 1996 abgeräumt werden konnten, wobei es sich als unmöglich erwies, die mittlerweile im Permafrostboden festsitzende Stahl-Unterkonstruktion des Kulissenschiffs ebenfalls zu entfernen. Da der Standort des Kulissenschiffs rund 100 km nördlich des historischen Überwinterungsplatzes der echten TEGETTHOFF lag und folglich wenig mit diesem gemein hatte, tauchte der Name der Ziegler Insel in der damaligen Vermarktung der Filmarbeiten nicht an vorderer Stelle auf, sodaß die Insel weithin unbekannt geblieben ist.
Parallel zu den Filmarbeiten gab es einen Versuch, am gleichen Platz im Nordwesten der Ziegler Insel eine österreichische Polarforschungsstation, bestehend aus Wohn- und Arbeitscontainern, zu etablieren. Deren weitere Nutzung scheiterte jedoch letztlich an den kurz nach der Errichtung wesentlich restriktiver werdenden Besuchsregeln für Franz-Joseph-Land, die in der Praxis einer Zugangssperre gleich kamen. Die Station wurde daher an Russland übereignet, seitdem jedoch praktisch nicht genutzt.

Touristisches: Kurzzeitig war die Kopie der TEGETTHOFF, rund hundert Kilometer vom Überwinterungsplatz der echten TEGETTHOFF entfernt aufgebaut, eine gespenstische Touristenattraktion der Ziegler Insel für die wenigen damaligen Expeditionskreuzfahrten nach Franz-Joseph-Land. Ansonsten spielt die Insel keine spezielle touristische Rolle, zumal sie aufgrund ihrer Lage und der damit verbundenen oft schwierigen Eisverhältnisse häufig kaum erreichbar ist.

 

 

Blick über den schmalen eisfreien Inlandbereich im Norden.
Die TEGETTHOFF Kopie auf ihrem Platz am Ufer der Ziegler Insel, ca. 100 km nördlich des historisch richtigen Platzes.
Eines der nachgebauten Beiboote für die Szenen mit dem Ziehen über das Eis.
Die TEGETTHOFF Kopie war für ein paar Jahre auch touristisch eine Attraktion auf der Ziegler Insel.

Letzte Änderung: 23.04.2011