McClintock Insel - Franz-Joseph-Land

 

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Allgemeines, Landschaft: Die McClintock Insel mit annähernd rechteckiger Form gehört mit 612 km² zu den mittelgroßen Inseln im Süden des Archipels und ist bis auf einzelne Küstenbereiche und einzelne aus dem Eis ragende Berge und Felsspitzen komplett vergletschert. Eisfreie Kaps sind vor allem Kap Dillon im Südwesten und kleinere Bereiche zwischen Kap Greely und Kap Bergen im Nordosten, am Kap Brünn im Negri Kanal im Osten und in der Nordwestecke. Größte Ausdehnung ca. 33 km, höchster Punkt: 521 m. Nach Osten hin trennt der schmale Negri Kanal die McClintock von der benachbarten Hall Insel.

Geschichte: Die Entdeckung, Namensgebung und der erste bekannte Besuch der Insel erfolgten im Rahmen der letzten Erkundungsschlittentour unter Leitung von Payer im Frühjahr 1874 von der TEGETTHOFF aus, wobei Gipfel am Kap Brünn (siehe weiter unten auf dieser Seite) als westlichstem von der Expedition erreichten Landpunkt in Franz-Josef-Land bestiegen wurden, von denen der Blick bis über die Markham Straße auf die nördlich davon gelegenen Inseln (Champ, Luigi) und im Westen bis zum heutigen George Land in der dunstigen Ferne reichte. Allerdings erkannte Payer nicht, daß er in alle Richtungen auf dicht beieinander liegende Inseln blickte - er hielt fast alles, was er in der Ferne von Westen bis Norden sah, für die Küsten eines riesigen "Zichy Landes".
 Die Fiala-Ziegler-Expedition (1903-05) hatte auf Kap Dillon einen Vorposten (siehe ganz unten auf dieser Seite), der von dort aus nach einem Rettungsschiff Ausschau halten sollte.
Ansonsten spielte die Insel in der Geschichte des Archipels eine untergeordnete Rolle.

 

Nordküste: Kap Greely (links).
Nordküste nach Westen.
Mittlere Nordküste.
Ostküste: Simonygletscher mit Felsnadel.
Kap Oppholzer im Südosten.
Kap Dillon im Südwesten.

Name: Benannt durch die TEGETTHOFF Expedition nach dem irisch-stämmigen Polarforscher Francis Leopold McClintock, dessen Name in Verbindung mit der Insel auch McClintok oder durch Doppeltranskription vom Ursprungsnamen ins Russische und zurück in lateinische Buchstaben auch McKlintock geschrieben wird.

 

 

Rechts:
Küstenpanoramen von McClintock.
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Kap Brünn von Süden.
Kap Brünn von Nordosten.
Landgang an Kap Brünn.
Schwemmkohle am Strand aus den örtlichen dünnen Kohleflözen.

Kap Brünn

Kap Brünn auf der Ostseite der McClintock Insel am Südeingang des Negri Kanals ist eigentlich kein Kap im Sinne eines Geländevorsprungs hinaus ins Meer. Vielmehr handelt es sich um einen sehr markanten Plateauberg mit dem für Franz-Joseph-Land typischen steilen Felskranz aus härterem vulkanischem Gestein rund um den Gipfel. Dem Berg wasserseitig vorgelagert ist eine flache, fast vegetationsfreie Küstenebene aus Gletschersedimenten. Sie verdankt ihre Existenz dem Kap-Berg, der den großen Simony-Gletscher hier teilt und in seinem "Windschatten" hier einen kleinen Küstenbereich davor beschützt, vom Gletschereis überdeckt zu werden. Ins Landesinnere hinein setzt sich der Bergzug, dessen östlichster Punkt der markante Plateauberg ist, mit ein paar weiteren Gipfeln fort, die, obwohl teils höher, vom Wasser her viel weniger auffallen. Ca. 4 kim von der Uferlinie entfernt, liegt in diesem Höhenzug auch die mit ca. 520 m über dem Meere höchste Erhebung der Insel. Im Frühjahr 1874 bestiegen Payer und Haller als westlichsten Punkt der der letzten Schlittenexkursion der TEGETTHOFF Expedition in Franz-Josef-Land den steilen Kap Berg am 2. Mai und hatten von hier aus nach Aufstieg in widrigstem Wetter eine glänzende Fernsicht, die eine erste grobe Aufnahme der von hier aus sichtbaren Teile der Inselgruppe erlaubte. Immerhin konnten sie jenseits des Markham Sundes den größten Teil der Südküsten von Champ Insel und Luigi Insel ausmachen und nach Westen hin in der Ferne sogar Teile der Küsten von George Land entdecken. Allerdings blieb ihnen verborgen, daß es sich hierbei um ein letztlich relativ begrenztes Reich kleiner Inseln handelte - sie hielten es für die südöstlichen Küsten eines riesigen Neulandes mit nicht abschätzbarer Ausdehnung nach Norden und Westen. Verständlich - denn die schmalen Sunde zwischen den Inseln, im Frühjahr noch völlig zugefroren, sind aus dieser Entfernung kaum als solche zu erkennen. Diese Fehleinschätzung zu korrigieren, verblieb späteren Expeditionen. Selbst direkt unter sich entdeckten sie die Trennung von Hall Insel und McClintock Insel durch den schmalen Negri-Kanal, dessen südliche Mündung sie gerade erst mit ihren Schlitten gequert hatten, erst aus der erhöhten Warte. Es kann vermutet werden, daß 1874, kurz nach Ende der Kleinen Eiszeit, die Passage zwischen den sich dort auf den beiden Inseln gegenüberliegenden Gletscherzungen noch schmaler war, als heute - Schneeverwehungen in solch engen und im Mai vollständig zugefrorenen Passagen können bei deren Querung ohne Bohrung leicht mit Festland verwechselt werden. Insgesamt erschloß die kurze letzte Schlittenexkursion der TEGETTHOFF Expedition nach Westen durch die Besteigung von Kap Brünn einen großen zusätzlichen Bereich in der Südhälfte des Archipels für die Expeditionskarte.

 

Kap Dillon

Kap Dillon ganz im Südwesten der McClintock Insel ist im Grunde ein sanft nach Westen hin relativ einförmig abfallender Hang und  der größte eisfreie Küstenbereich der Insel - ein bis ca. 3 km tiefer Uferbereich, überwiegend von Frostschutt bzw. von durch Brandung abgeriebenen Steinen bedeckt, letzteres ein Zeichen für die nacheiszeitliche Hebung des Landes aus dem Meer. Vegetation ist hier minimal. Nach Westen hin fällt das Ufer relativ gleichmäßig ins Meer ab, während es sich auf der Südseite als nach Osten hin zunehmend ansteigende Steilwand präsentiert. Nach Norden und Nordosten geht der Frostschutthang in eine langsam ansteigende Eiskappe über.
Kap Dillon ist der einzige Platz auf McClintock mit deutlicheren Spuren aus der Pionierzeit - hier hatte die Fiala-Ziegler Expedition (1903-05) einen Vorposten, der nach Süden hin nach einem Rettungsschiff ausschau halten und dieses möglichst auf sich aufmerksam machen sollte, da das Expeditionsschiff AMERICA vor der Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterRudolf Insel vom Eis zerdrückt worden war.
2008 besuchten wir Kap Dillon auf der 2. von mir geleiteten Franz-Joseph-Land Fahrt, um nach Resten dieses Vorpostens zu suchen - in der Literatur war darüber nichts zu finden (außer bei Fiala selbst), und so wollten wir herausfinden, ob und welche Überreste es dort noch gibt.
Passend zu den Beschreibungen von Fiala fanden wir die Reste eines primitiven Unterstandes, bestehend aus eime U-förmigen bis ca. 1,5 m hohen Wall aus Lesesteinen, nach Süden hin offen, aus dem zwei senkrechte Pfähle ragen. Gegenüber der offenen Südseite befand sich im Wall nach Norden hin eventuell eine Art primitive Feuerstelle aus Steinen. Vermutlich handelte es sich um einen Unterstand mit Feuerstelle, abgedeckt mit einem improvisierten Zeltdach. Hierauf deuten auch zahlreiche Reste von Schnüren, sowie Metallösen in kleinen Textilresten rund um den Unterstand hin, die vermutlich zu einer ehemals abgespannten Zeltkonstruktion gehören. Des weiteren fanden sich ein kleiner Ofenrost und alte Tierknochen verstreut um die Anlage zwischen den Steinen, kleinere Holzreste, sowie in größerem Abstand ein größerer solider Eisenzylinder mit daneben liegendem Deckel, beides unbekannter Funktion und Herkunft.
Kap Dillon mit seiner dunklen Geröllwüste und der dahinter aufsteigenden Eiskappe, während ansonsten von hier fast nur offenes Meer zu sehen ist, gehört sicher zu den ödesten Orten des Archipels - und der Besucher kann ahnen, wie sehr hier die Expeditionsteilnehmer in ihrem primitiven Unterstand einem Rettungsschiff entgegen hofften. Seit der Rettung der Fiala-Ziegler Expedition waren hier vermutlich nicht mehr allzu viele Besucher und möglicherweise waren wir die ersten Touristen, die Kap Dillon besuchten.


Letzte Änderung: 14.11.2011