Graham Bell (Greem Bell) Insel, Severnaja - Franz-Joseph-Land

 

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Allgemeines, Landschaft: Graham Bell (nicht verwechseln mit der kleinen Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterBell Insel) ist die östlichste und mit ca. 1700 km² die drittgrößte Insel des Franz-Josef-Land Archipels. Auffällig ist der krasse Gegensatz zwischen dem Norden und dem Süden von Graham Bell: der Norden ist praktisch eisfreie, hügelige Tundra mit nur geringen Höhen über dem Meer (selten über 20 m) und vielen Tümpeln, während der Süden praktisch komplett von der mächtigsten Eiskappe (Windy Dome, Windy Icecap) des ganzen Archipels bedeckt ist, deren Kuppe bis zu 530 m über den Meeresspiegel aufragt und bis 500 m dick ist. Die Eiskappe von Graham Bell nimmt in den letzten Jahren in ihrem größten Teil deutlich an Stärke zu - im Gegensatz zu etlichen anderen Gletschern in Franz-Joseph-Land, während ihre Abbruchfronten leicht zurückweichen.
An der Nordspitze von Graham Bell liegen die Ruinen der ehemaligen russischen Luftwaffenbasis Sewernaja, teilweise auch einfach "Greem Bell" genannt und in den 1950er Jahren mit einer gut 2 km langen Piste für Transport- und Kampfflugzeuge ausgestattet, die allerdings nur in den 8 Monaten mit fest gefrorenem Boden voll einsetzbar war und 1994 komplett geschlossen wurde. Davor konnte sie sogar von einigen touristischen Hubschrauberreisen, die damals direkt nach der Öffnung der russischen Arktis angeboten wurden, als Zwischenstop und Auftankbasis genutzt werden. Wegen dieser derzeit unbemannten und verfallenden Basis ist Graham Bell bis heute Sperrgebiet.

 

Aus der hügeligen Tundra des Nordteils von Graham Bell erhebt sich sanft die große Eiskappe über dem Süden der Insel.
Der überwiegend hügelige Norden von Graham Bell ist eines der größten Tundragebiete der Inselgruppe.

Geschichte: Graham Bell ist die zuletzt entdeckte und erforschte größere Insel von Franz-Joseph-Land. Auf den frühesten Karten (Payer-Weyprecht, Leigh Smith, Jackson, Nansen) ist sie noch nicht einmal als Sichtung eingezeichnet. Von E. B. Baldwin, stellvertretender Führer der Wellman Expedition, wurde im Frühjahr 1899 während einer Schlitten-Erkundungstour eine sehr ungefähre erste Kartierung vorgenommen. Obwohl Baldwin dabei die Insel viermal auf verschiedenen Strecken überquerte, gibt die Wellman´sche Expeditionskarte die Form der Insel überraschend ungenau wieder. Eine genauere Kartierung erfolgte erst in der Sowjetzeit.
Aufgrund ihrer weiträumigen flachen Tundra im Nordteil eignete sich Graham Bell gut für die Einrichtung eines Flughafens, der im Rahmen der strategischen Aufrüstung in den 1950er Jahren entstand, ebenso wie die zweite Militärbasis Nagurskoje auf Alexandra Land im Westen des Archipels. In der liberalen Phase der frühen 1990er Jahre diente die Basis auch touristischen international vermarkteten Hubschrauberreisen in die hohe russische Arktis als Zwischenstop, was mit der Schließung der Anlage 1994 ein Ende fand.
1997 führten die Russische Akademie der Wissenschaften und die Universität von Ohio auf der Windy Dome Eiskappe ein gemeinsames Bohrprogramm durch, bei dem Eiskerne bis zu 316 m Tiefe entnommen werden konnten, die der Entschlüsselung des Klimas und der Atmosphärenzusammensetzung der letzten Jahrhunderte dienen. Da die Insel immer noch als Sperrgebiet galt, obwohl die Militärbasis längst aufgegeben und im Verfall war, durften die amerikanischen Wissenschaftler nicht an den Bohrarbeiten vor Ort teilnehmen.
Name: Die Insel ist nach dem amerikanischen Erfinder Alexander Graham Bell benannt.


Letzte Änderung: 02.06.2011