Hayes (Chejsa, Kheysa, Heiss) Insel - Krenkel Station - Franz-Joseph-Land

 

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Allgemeines, Landschaft:

Die überwiegend niedrige Hayes Insel (maximale Ausdehnung: ca. 14 km, 132 km²) liegt im Inneren des Franz-Josef-Land Archipels am Zusammenstoß von Markham Sund und Austria Kanal. Ihre Mitte wird von einer kleineren Eiskuppe überwölbt (max. ca. 240 m über Meeresspiegel), um die herum sich vor allem nach Westen, Süden und Osten ausgedehntere eisfreie Ebenen zu den Ufern erstrecken, aus denen aufgereiht bizarre alte Felsenketten aus alten vulkanischen Gesteinen ragen. Am Nordostende der Insel liegt ein flacher, wassergefüllter Krater, auf dessen Rand sich die zahlreichen Gebäude der Krenkel Station befinden.
In deren Nähe fand in den 1970er Jahren eine der drei geologischen Tiefbohrungen in Franz-Joseph-Land statt.


Biologie:

Größere eisfreie Teile der Insel sind von einer nicht gerade üppigen, aber vielfältigen hocharktischen Tundravegetation bedeckt. Verstreut über die Hayes Insel brüten regelmäßig Eiderenten, Gänse, Meeresstrandläufer,
Raubmöwen und etliche Paare Elfenbeinmöwen.
Auf der Südseite der Hayesinsel ruhen häufig Walrosse auf dem Strand.


Der flach hügelige Westen von Hayes mit magmatischen Felsrücken
Ausschnitt eines Teils von West-Hayes mit Tundra und Felsrücken
Der mittlere Teil der Nordküste mit der Eiskappe von Hayes
Die Ostküste von Hayes: niedriges Erosionskliff mit vorgelagertem Strand, darüber das flache Inland.
Aus dem ansonsten nur schwach hügeligen Inland mit feuchter Tundravegetation erhebt sich die kleine Eiskappe der Hayes Insel.
Einer der das flache Inland überragenden magmatischen Felsrücken, hinten die Eiskappe.
Nordküste von Hayes, hinten die ins Meer an der Nordseite abbrechende Eiskappe.
Blick von der Uferzone auf die Abbruchkante der Eiskappe an der Nordseite von Hayes.
Westteil von Hayes, vom Wasser aus gesehen, mit den aufragenden Felsformationen der magmatischen Felsrücken.
Die eisfreien Teile des Inlands sind feucht und teils auch von farbigen Moosen bewachsen.
Geoden (Steinkugeln) gibt es unter anderem auch auf Hayes, nur nicht ganz so groß wie auf Champ.
Auf Hayes brütet verstreut eine Reihe von Vogelarten - neben Elfenbeinmöwen auch Gänse und Eiderenten, hier ein Nest mit Daunen.

Bildergalerie Hayes Insel

(Anklicken führt zu vergrößerter Darstellung des Bildes)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geschichte, Namen:

Siehe auch:
Opens internal link in current windowGeschichte - Zusammenfassung
Opens internal link in current windowChronik - detailliertere Geschichte Jahr für Jahr

Entdeckt und benannt durch die TEGETTHOFF Expedition 1874, die die Insel allerdings nur aus der Ferne vom Austria Kanal her sah und daher sehr ungenau auf ihrer Karte einzeichnete, evtl. mit der davorliegenden niedrigen Komsomolets Insel vermischt.

Bis zur Vorbereitung des 3. Internationalen Geophysikalischen Jahres 1957/58 spielte die Hayes Insel in der Geschichte des Archipels keine besondere Rolle. Zu diesem Anlaß wurde dann jedoch auf der Insel die neue hauptsächliche Forschungsstation des Archipels als Ersatz für die vorherige Station in der Tichaja Bucht auf der Opens internal link in current windowHooker Insel eingerichtet - siehe weiter unten: Krenkel Station. Durch die vielfältigen von der Station ausgehenden Forschungsaktivitäten ist die Hayes Insel sicherlich der besterforschte Teil von Franz-Josef-Land, allerdings sind viele der Resultate international kaum erhältlich. Eine bizarre landschaftliche Besonderheit der Hayes Insel hat ebenfalls mit der Forschungsarbeit zu tun: die Insel ist überstreut von abgestürzten Forschungsraketen-Teilen.

Namen: Die Hayes Insel wurde von der TEGETTHOFF Expedition im Frühjahr 1874 nach dem amerikanischen Polarforscher Dr. Isaac Israel Hayes benannt. Durch Transskription des Namens ins Russische und spätere buchstäbliche Rücktranskription in lateinische Schrift ohne Kenntnis des Ausgangsnamens ist der Inselname auf neueren westlichen Karten teils bis zur Unkenntlichkeit verballhornt: Kheysa, Chejsa, oder gar
"eingedeutscht" als Heiss. Ich bezweifle, daß Hayes sich in diesen Schreibweisen wiedererkannt hätte - siehe auch: Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterNamensverwirrung.
Die Krenkel Station ehrt mit ihrem Namen den wichtigen deutschstämmigen russischen Funker, Polarpionier und Geographen Ernst Krenkel (1903-1974).

 

Oben: Die abgestürzten Reste der zu Sowjetzeiten von Krenkel gestarteten Forschungsraketen finden sich vielerorts auf der Hayes Insel. Rechts: Der Poststelle der neuen Krenkel Station reichen angesichts weniger Kunden kurze Öffnungszeiten.

Krenkel Station: Die erste langjährige Forschungsstation, Tichaja (siehe Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterHooker Insel), hatte zwei Nachteile: ein eher untypisch mildes Klima reduzierte den Wert dort gewonnener Wetterdaten und die Umgebung eignete sich schlecht für eine Landepiste. Anläßlich des Internationalen Geophysikalischen Jahres wurde daher ab 1957 auf dem östlichsten Ende der Hayes Insel eine neue Station erbaut und gleich mit einer ganzjährig nutzbaren Flugpiste ausgestattet, wofür sich die relativ flache Insel gut eignet. Benannt ist sie seit 1972 nach dem russischen Funker und Polarpionier Ernst Krenkel. Der größte Teil der Gebäude liegt auf dem Rand eines wassergefüllten Meteoritenkraters. In ihren besten Zeiten beherbergte die Station saisonal bis zu 200 Personen (vereinzelt sogar westliche Forscher), wovon bis heute ihre große Ausdehnung mit zahlreichen Gebäuden, technischen Einrichtungen, aber auch Flugzeugwracks und  bis 2010 Unmengen von Treibstofffässern kündeten - letztere wurden mit etlichen anderen Altlasten in einer beachtenswerten Aufräumaktion mittlerweile großteils zum russischen Festland entsorgt.
Zur Station gehörte in Sowjetzeiten auch eine Abschußrampe für Atmosphärenforschungsraketen. Krenkel wurde 2000 stark reduziert und nach einem Feuer, das u.a. das Kraftwerk zerstörte, 2001 als letzte zivile Station in Franz-Joseph-Land geschlossen.

2004 wurde zwischen den alten Gebäuden eine moderne kleine neue Forschungsstation mit 240 m2 Grundfläche errichtet, die seit 30. Oktober 2004 wieder ganzjährig in Betrieb ist - üblicherweise mit einer fünfköpfigen Besatzung. Ihr Aufbau bot gleichzeitig Gelegenheit, zumindest einen Teil der Massen von Schrott etc. aus Sowjetzeiten zum Festland zu entfernen. Eine umfassendere Sanierung des Stationsgeländes hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Nicht zuletzt wegen der noch nicht abgeschlossenen Aufräumarbeiten wurden Genehmigungen für einen Besuch von Hayes und Krenkel in den letzten Jahren kaum erteilt.

 

Bildergalerie Krenkel Station

(Anklicken öffnet vergrößerte Bildversion)

Die Krenkel Station liegt auf der östlichsten Landzunge der Hayes Insel.
Die umfangreiche alte Station zieht sich vor allem um einen Meteoritenkrater herum.
Ihre Gebäude sind weitgehend im Verfall.
Zwischen den Gebäuden der alten Station steht die neue Krenkel Station.
Bis 2011 war der Bereich der Station übersät mit tausenden zurückgelassener Treib- und Schmierstofffässer und weiterer Altlasten vergangener Jahrzehnte, teils leer, teils leckend (siehe Bilder). Ein Großteil davon wurde mittlerweile in einer umfassenden Aufräumaktion beseitigt und zusammen mit den Inhalten zur Entsorgung ans Festland abtransportiert.

 

Tourismus

In den 1990er Jahren wurde die damalige Krenkel Station regelmäßig touristisch besucht.
Seit ca. 2000 hingegen wurden in der Regel Touristengruppen keine Genehmigungen erteilt, die Hayes Insel einschließlich der Krenkel Station zu betreten - angeblich wegen der massiven aus Sowjetzeiten geerbten Umweltsünden im Bereich der Station. Angesichte deren voranschreitender Beseitigung ist es denkbar, daß in Zukunft Besuche der Hayes Insel wieder möglich werden.

Erlaubt waren in den letzten Jahren hingegen Annäherungen per Boot ohne Landung, was von einzelnen touristischen Fahrten genutzt wurde, um am Strand ruhende Walrosse auf der Südseite der Insel vom Wasser her zu beobachten.


Letzte Änderung: 18.02.2013