Champ Insel, Kap Triest mit Steinkugeln (Geoden) - Franz-Joseph-Land


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Allgemeines, Landschaft:

Die Insel Champ liegt im Inneren des Franz-Josef-Land Archipels und gehört mit einem größten Durchmesser von ca. 27 km und einer Fläche von ca. 374 km² zu dessen mittelgroßen Inseln. Das Innere der Insel ist bergig (bis über 500 m) mit flachen Plateaugipfeln, und stark vergletschert, über die Hälfte der Küstenlinie besteht aus Gletscher-Abbruchfronten, die von mehreren markanten Kaps und steil aufsteigenden eisfreien Berghängen unterbrochen werden - etwa Kap Kjeldsen im Westen, Kap Tschkalowa (früher: Kap Clare, Südwesten), Kap Fiume (Süden), Kap Triest (Südosten). Nach Osten hin trennt die teilweise nur ein paar hundert Meter breite Pohndorff Enge mit ihren beiderseitigen Gletscherfronten Champ von seinem nächsten
Nachbarn, der Opens internal link in current windowSalisbury Insel.

 

Kap Tschkalowa (früher auch: Kap Clare) im Westen von Champ.
Kap Fiume im Süden.
Kap Triest taucht aus sich lichtender tiefer Bewölkung auf.
Gletscherfront westlich von Kap Triest.
Kap Triest von Westen,
... von Süden und
... von Osten.
Der östlichste Teil von Champ mit der Pohndorff Enge.

Geologie:

Wie in großen Teilen des mittleren Franz-Joseph-Landes, besteht auch Champ aus erdmittelalterlichen Sedimentgesteinen, zwischen die teils mächtige Schichten aus magmatischen Gesteinen eingelagert sind, welche durch ihre größere Verwitterungsresistenz senkrechte Felsstufen und oft die markante oberste Schicht der Plateaugipfel bilden.
Ein weltweit fast einmaliges Phänomen auf Champ sind die bis zu 3 Meter großen natürlichen Steinkugeln (Geoden), insbesondere am Kap Triest. Geoden entstehen innerhalb von Sedimentgesteinsschichten durch Umlagerung und schalenförmige Ablagerung (daher auch Konkretionen genannt) um einen Ausgangspunkt (z.B. ein kleines Fossil, o.ä.) und zeichnen sich durch eine höhere Dichte und Härte aus, verglichen mit dem sie umgebenden Gestein. Daß sie heute frei liegen, ist in ihrer größeren Härte begründet: das sie umgebende Gestein verwittert leichter - weiter oben am Hang kann man Geoden sehen, die gerade aus dem Gestein herauswittern.
Geoden an sich gibt es vielerorts auf der Welt (und längst nicht alle müssen rund sein, auch nicht hier auf Champ), doch Größen bis zu 3 Metern sind bisher nur von Champ und aus Neuseeland bekannt. Es kursiert die vage Schätzung, daß ihr Wachstum bei nur 1 mm pro tausend Jahre liegen soll - die größten würden demzufolge mehrere Millionen Jahre ungestörten Wachstums in ihren Sedimenten benötigen.








Entfernung einer der Geoden von Champ für eine russische Privatsammlung

Geschichte und Namen:

Siehe auch:
Opens internal link in current windowGeschichte - Zusammenfassung
Opens internal link in current windowChronik - detailliertere Geschichte Jahr für Jahr

Die Südseite der Champ Insel wurde teilweise bereits durch die TEGETTHOFF Expedition im Frühjahr 1874 grob kartiert (daher die Namen: Kap Fiume, Kap Triest), deren Schlittentouren-Teilnehmer diesen Bereich aus der Ferne sowohl vom Austria Kanal her, als auch bei der Besteigung des Kap Brünn auf der McClintock sehen konnten, wobei allerdings nur die markanten Kaps benannt wurden, da Payer dachte, daß sie zur Küstenlinie des von ihm angenommenen riesigen Zichy Landes gehörten.
Die restliche Kartierung der Insel erfolgte erst während der Fiala-Ziegler-Expedition 1903-05. Letztere stellte auch den eigenständigen Inselcharakter von Champ fest, getrennt durch schmale Sunde von den Nachbarinseln Luigi und Salisbury.

Ansonsten spielte Champ in der Geschichte des Archipels keine besondere Rolle, was sich erst durch seine Beliebtheit als Touristikziel wegen der Geoden an Kap Triest änderte. 2007 wurde sogar der Expeditionsleiter einer touristischen Reise mit der Androhung der Verhinderung künftiger Besuchsgenehmigungen der Inselgruppe für seine Firma gezwungen, den Abtransport einer der Geoden von Kap Triest mit Hilfe des großen Bordhubschraubers für eine russische Privatsammlung aus Franz-Joseph-Land als streng geschütztem Naturreservat zu akzeptieren.

Namen: Erst durch die Fiala-Ziegler Expedition wurde festgestellt, daß es sich um eine separate Insel handelt, die den Namen des Sekretärs des Expeditionssponsors William Ziegler, William S. Champ, erhielt. Champ war in die Expeditionsvorbereitung eingebunden und vor allem für die Rettungsexpedition 1905 zuständig, nachdem das Expeditionsschiff Fialas vor der Überwinterungsbasis in der Teplitz Bucht der Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterRudolf Iinsel vom Eis zerdrückt worden war.
Kap Fiume und Kap Triest erhielten ihre Namen bereits 1874 nach damals österreich-ungarischen Städten an der Adriaküste von der TEGETTHOFF Expedition.
Auf die Ziegler Expeditionen (1901-05) gehen die Namen Kap Clare (heute Kap Tschkalowa) und Kap Kjeldsen (heute Kap Goristij) zurück.

 

Kap Fiume von Osten.
Die drei größten Geoden bei Kap Triest ...

Touristisches:

Siehe auch: Opens internal link in current windowReisemöglichkeiten

Hauptattraktion auf Champ sind die Geoden in landschaftlich reizvoller Umgebung am Kap Triest. Ursprünglich faszinierte der Platz durch Steinkugeln in allen Größen, doch leider sind die kleineren Kugeln in Murmelgröße trotz weniger Schiffsanläufe und der Aufforderung, nichts mitzunehmen, mittlerweile offenbar weitgehend in Besuchertaschen verschwunden. In vielen Fällen dürften diese zuhause nach kurzer Zeit weggeworfen werden - spätestens jedoch durch die Erben dieser Sammler. Natürlich wittern immer wieder neue Geoden aus dem Gestein heraus - aber längst nicht mit der Geschwindigkeit einzelner Souvenirjäger. Daher die Bitte an alle Besucher: lassen Sie diesen einmaligen Platz möglichst unverändert.
Im unteren Bereich des Steinkugelgebietes findet sich außerdem eine schüttere aber vielfältige Flora und östlich davon brüten in der Regel Raubmöwen am Boden, dahinter folgt ein Brutfelsen. Bei Landungen sollte darauf geachtet werden, daß die Vegetationsbereiche und die Brutbereiche möglichst (westlich) umgangen werden, indem man sich zwischen Strand und Geodengebiet möglichst an das Bett des kleinen Baches hält.
Bedingt durch von Jahr zu Jahr wechselnde Eisverhältnisse sowohl draußen im Markham und Jermak Sund, als auch direkt vor dem Strand, ist eine Landung auf Champ nicht immer möglich.
Über die Faszination der Geoden werden oft andere interessante Aspekte übersehen: die reizvollen Erosionsformen im Sandstein zum westlichen Gletscher hin, sowie die Möglichkeit, den im unteren Bereich schneefreien Gletscher selbst mit etwas Vorsicht zu begehen, bzw. sich dessen Front von der Seite her zu nähern.
Achtung: Gletscher-Kalbungen können plötzliche Flutwellen verursachen - stets auf Fluchtmöglichkeit achten.

 

... erreichen bis zu 3 m Durchmesser.
Sie sind aus dem Sedimentgestein herausgewittert, wie weitere Exemplare zeigen, die weiter oben im Hang noch mehr oder weniger im Fels feststecken.
In der Nachbarschaft: die Felswände von Kap Triest mit sommerlicher Brutvogelkolonie.
Für Eingeweihte ganz klar der Kopf einer Außerirdischen-Statue ? Man beachte den adlerhaft-kühnen Blick !
Aus anderer Perspektive wohl eher doch nicht, oder nur aufgrund der vielen Millionen Jahre schon etwas ramponiert: selbst außerirdische Kunstwerke verfallen irgendwann ?
Frisch vom Raumschiff abgeworfen (gut, daß da gerade niemand stand !)- oder doch nur Permafrostboden-Bewegungen ?
Zwar keine wirklich runde Geode - aber vielleicht hat da ein außerirdischer Amateur noch geübt. Oder ist das ein Raumschiff-Modell als Signal an die Erleuchteten ?
Mühevoll hat jemand die Kugeln in den Stein hineingebohrt, damit es aussieht, als ob sie im Fels wachsen.
Oder ist das die wahre Erklärung für die Kugeln ? Außerirdische - heimlich mitten unter uns ! Hoffentlich begegnen wir nie denen mit den ganz großen Steinaugen, wie sie hier vereinzelt auf Champ herumliegen !

Geoden und Außerirdische / UFOs / verschwundene Hochkulturen

Versteckt in den Tiefen des Internet, aber auch in so manchen Zeitschriften und Büchern findet sich spannende Lektüre mit "alternativen" Erklärungen für Ungewöhnliches - vorzugsweise an möglichst fernen Orten mit möglichst wenig Zeugen und Überprüfungsmöglichkeiten. Gern wird dort gläubig von einer Quelle zur nächsten immer weiter kopiert, was zu einem faszinierenden Eigenleben bestimmter Theorien führt. Hierzu gehört etwa die Beobachtung eines UFO-Absturzes durch norwegische Jagdflugzeuge im besonders abgelegenen Nordostland Spitzbergens in den 1950er Jahren (ohne daß sich irgendeiner der fleißigen Kopierer daran stört, daß Norwegen damals weder über Jagdflugzeuge ausreichender Reichweite verfügte, die vom nächsten Flugplatz am Festland zu den abgelegensten Teilen Spitzbergens und wieder zurück hätten fliegen können, noch über einen entsprechenden Flughafen in Spitzbergen oder Tankflugzeuge zur Luftbetankung): eine der Geschichten, die immer wieder gern hervorgekramt wird.
In Franz-Joseph-Land sind es die Geoden von Champ, die in dieser Größe und perfekten Kugelform selbstverständlich nur von Außerirdischen (wahlweise auch von verschwundenen Hochkulturen) stammen können und aus rätselhaften Gründen ausgerechnet dort (oder logischerweise - keine lästigen Zeugen) abgelegt wurden.
Nun sind auch die "konventionellen" geochemischen Erklärungen für Geoden sicherlich noch nicht perfekt und noch niemand hat eine 3-Meter-Geode im Labor gezüchtet - insofern sind alternative Theorien stets willkommen. Die Geschichte der Wissenschaft hat von Gallileo über Einstein bis Wegener genug interessante Beispiele unkonventioneller Ideen. Auch nichts gegen Außerirdische oder verschwundene Hochkulturen - vieles ist irgendwie denkbar und natürlich könnten wir deren Motive für seltsam scheinendes Treiben vielleicht nicht immer mit unserer begrenzten Logik verstehen. Allerdings sollten solche Theorien die vor Ort offensichtlichen (und in den "alternativen" Publikationen vorzugsweise verschwiegenen) Fakten berücksichtigen:

  • Keine der dortigen Geoden ist wirklich perfekt rund, selbst nicht die schönste - und viele ähneln eher sogar mißgestalteten Kartoffeln. Angesichts der in einigen Artikeln behaupteten perfekten Kugelgestalt müssen die angeblichen Hochkulturen folglich ziemliche Pfuscher (und die Autoren ziemlich blind) sein. Alte Ägypter oder Inkas beispielsweise hätten die Kugelproduktion mit ihren Technologien schon präziser hinbekommen.
  • Es gibt dort (wie vielerorts auf der Welt) Geoden in allen Größen, von wenigen Millimetern, bis - und das ist hier das Besondere - eben einzelnen mit über 1 Meter Durchmesser. Sind die nun alle von Außerirdischen oder nur die größten, und ab welcher Größe ? Nur hier, oder auch alle anderen Geoden auf der Welt ?
  • Alle Geoden am Kap Triest liegen im Bereich eines nach oben hin immer steiler werdenden Hangs, oben felsig, in dessen stark verwittertem Gestein zahlreiche weitere Geoden noch mehr oder weniger eingeschlossen sichtbar sind und offensichtlich herauswittern und dann irgendwann evtl. weiter bergab rollen.
  • Da anscheinend zahlreiche weitere Geoden dort noch in einer sicher 50 oder mehr Meter dicken Schicht von Sedimentgestein stecken: Sind die Außerirdischen oder verschwundenen Hochkulturen in der Entstehungszeit dieser Gesteine vor Millionen von Jahren damals über Jahrtausende immerzu wiedergekommen, um diese "Kultobjekte" dort in den Schlamm zu werfen, damit sie im werdenden Gestein in verschiedensten Schichten eingeschlossen und in unserer Zeit wieder freigesetzt werden ? Oder haben sie sie mit ihrer Hochtechnologie in den Fels hineingebeamt ? Oder ist die Erde laut biblischer Schöpfungsgeschichte ja sowieso nur ein paar Jahrtausende alt, sodaß diese Deponierung folglich in einem einzigen Tag erledigt werden konnte, weil der Fels entsprechend schnell wuchs ? Vielleicht wittert dann eines Tages auch noch eines der Raumschiffe heraus, das dem rasant hochwachsenden Sedimentschlamm nicht schnell genug auswich - wer trotz aller high tech noch nicht mal wirklich runde Kugeln drehen kann, wird vielleicht auch von hochschnellenden Schlammschichten überrascht.
  • Die Erklärung, daß die Geoden im Gestein entstanden und dann herausgewittert sind, ist anhand der vor Ort deutlich sichtbaren Gegebenheiten zumindest naheliegend - während es auf Champ für das alternative Konzept einer Plazierung dieser Geoden durch Außerirdische oder verschwundene Hochkulturen nicht den geringsten Anhaltspunkt gibt. Mangels Raumschiffswrack oder fossilem Außerirdischem als Hinweisen bedarf es folglich für solch alternative Konzepte "höheren Wissens" als unfehlbarer Inspiration.

Das Erfreuliche: ein wahrhafter Jünger wird sicher auch für all diese störenden Fakten eine noch überzeugendere Theorie finden - oder als vom Verkauf solcher Ideen lebender Guru störende Wirklichkeiten dezent übergehen, um die brav zahlenden Adepten nicht unnötig zu irritieren. All das ist mühsam. Damit sind wir wieder am Ausgangspunkt: solche Wunder finden praktischerweise möglichst an fernen Orten und Zeitpunkten ohne störende Zeugen statt. Zum Beispiel in der Tiefsee. Oder der Arktis. Oder auf dem Mars. Nicht mittags auf dem Marienplatz in München. Jünger solcher Theorien sollten daher nicht nach Champ reisen - denn dann würde aus der Traumwelt wohlmöglich eine Konfrontation mit schnöden Fakten, die eigentlich nicht vorgesehen ist.

 

 


Letzte Änderung: 20.02.2013