Northbrook Insel (О. Нортбрука, O. Nortbruk), Kap Flora - Franz-Joseph-Land

Kartenausschnitt mit der Northbrook Insel - anklicken für größere Version


Opens internal link in current windowÜbersicht Franz-Josef-Land


Allgemeines, Landschaft:

Die Northbrook Insel, ca. 288 km², höchster Punkt 344 m, zählt zu den kleineren und zu den südlichsten Inseln des Franz-Josef-Land Archipels und ist weitgehend vereist, nur in den äußersten Bereichen im Südwesten (Kap Flora - м. Флора, Kap Gertrude - м. Гертруды), Südosten (Kap Barents - М. Баренца), an der Nordspitze (Camp Point - м.Лагерный (M. Lagernyj)) und im Nordosten (Kap Uskij - м. УЗКИЙ) gibt es begrenzte eisfreie Zonen, hinzu kommen im Uferbereich einige aus den Eisfronten herausragende Felskanten. Das Inland ist komplett unter mehreren Eiskappen verborgen. Ferner sind der Ostküste der Northbrook Insel die beiden Felseneilande Robertson Insel (о. Робертсона) und Nowyj Insel (о. Новый) vorgelagert.

Das Meer vor der Südküste ist auch im Winter durch eine sogenannte Polynia meist eisarm und im Frühjahr bis Herbst zählt dieser Bereich der Inselgruppe zu den eisärmsten, wodurch sich insbesondere das auch an Land unvergletscherte Kap Flora als günstige Basis für die Polarpioniere anbot (siehe weiter unten Geschichte der Insel und auch speziell von Kap Flora).

Die Nordspitze der Northbrook Insel: Camp Point von Nordwesten,
Camp Point (rechts) und das flache Kap Uskij (links hinten), von Norden.
Der Ostküste vorgelagert die niedrige Robertson Insel (rechts) und die Nowyj Insel (links) vor der Gletscherkante der Northbrook Insel.
Markant aus der Eiskappe der östlichen Northbrook Insel herausragendes Felsplateau, Robertson Insel rechts.
Kap Barents als südöstlichster Punkt der Northbrook Insel, von Norden.
Kap Barents im Südosten - ähnlich wie es die holländische Expedition unter de Bruyne 1879 von der WILLEM BARENTZ aus der Ferne sah.
Kap Gertrude an der Südküste - Blick von Kap Flora über die Eira Bucht.

Das Eis auf Northbrook ist im Rückgang - am stärksten in Teilen der Ostseite. Besonders auffällig ist dies jedoch im Vergleich mit alten Karten östlich von Kap Flora, wo mittlerweile die vorher durch die Eiskappe gegebene Verbindung zwischen dem Hauptteil der Insel und dem westlichsten Teil der Northbrook Insel mit Kap Flora durchbrochen ist - das verschwundene Eis hat hier eine sehr seichte Passage freigegeben, die zwischen Gunther Bucht an der südlichen Nordwestküste und St. Foka Bucht an der westlichen Südküste zumindest bei Flut die Insel durchtrennt. Dies wurde russischerseits bereits in den 1980er Jahren entdeckt. Mangels Zugang zu diesen Berichten gibt es jedoch auch mehrere spätere Ansprüche auf die Entdeckung, daß hier ein Durchbruch vorhanden ist und Kap Flora folglich auf einer eigenen Insel liegt. Aktuell ist noch in der Diskussion, welchen Namen diese Insel eventuell erhalten soll. Bis dahin wird die neue Insel mit Kap Flora hier weiter als Teil der Northbrook Insel behandelt.

 

 

Oben rechts in den Bildern die wesentlichen eisfreien Bereiche der Northbrook Insel - mit Ausnahme von Kap Flora, das wegen seiner besonderen Bedeutung hinsichtlich Tierwelt, Vegetation und Geschichte im nächsten Abschnitt separat behandelt wird.

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Der mittlerweile durch den freigetauten Kanal zur eigenen Insel gewordene westlichste Teil der Northbrook Insel, Kap Flora ganz links außen.
Kap Flora von Süden - unterhalb der Schutthänge der Vogelfelsen das flache Vorland mit üppiger Tundra und den historischen Relikten.
Kap Flora von Osten, an der Steilkante nagt das Meer.
Der stärker auftauende Permafrost führt zu Hohlräumen und gestattet das unterirdische Abfließen von Schmelzwasser ...
das im Steilufer zutage tritt und Schlamm mitschwämmt, dabei das Gelände weiter destabilisiert.
Der charakteristische Tümpel von Kap Flora wird durch die zunehmende unterirdische Drainage voraussichtlich bald noch weiter auslaufen.
Die Kap Flora Insel von Westen (das Kap angeschnitten rechts außen).
Kap Flora (Flachland ganz links) und Berge dahinter, vom benachbarten Kap Gertrude aus gesehen.

Kap Flora (м. Флора):
Der landschaftlich eindrucksvollste Teil von Northbrook ist sicherlich Kap Flora mit den imposanten Felswänden des Plateauberges, die aus dem schmalen Vorland ca. 200 m hoch aufsteigen und zahlreichen Vögeln Brutplätze bieten. Die damit verbundene Düngung, sowie die Ausrichtung nach Süden sind wichtige Ursachen für die vergleichsweise üppige Tundravegetation am Fuße des Berges. An Kap Flora lagerten eiszeitliche Gletscher unter dem Plateauberg reichlich Moränenmaterial ab, das nach Rückzug des Eises zunächst vom Meer überflutet wurde und dann durch die Landhebung als kleine flache Halbinsel aus den Fluten stieg, auf der mitten Tundra etliche größere Felsbrocken liegen, teils vom Berg heruntergestürzt, teils durch das Eis verfrachtet. Die Küstenlinie der Halbinsel ist relativ steil, da hier das Meer nagt, und der schmale Strandsaum besteht weitgehend aus herausgewaschenen Steinen unterschiedlichster Größe - Landungen erfordern hier etwas Umsicht und ruhigeres Wasser.
Neben der Meereserosion trägt auch Thermokarst zum Landverlust an Kap Flora bei: Durch Rückgang des Permafrosts verschwindet zunehmend Eis im Boden und die dabei entstehenden Hohlräume sinken ein bzw. erlauben nachfolgendes Ausspülen durch von der Oberfläche kommendes Schmelzwasser. Es wird erwartet, daß dies in einigen Jahren auch zum Auslaufen des charakteristischen Tümpels auf Kap Flora führen wird.

 

 

 

 

 

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Solch vielfältige Tundravegetation solcher Ausdehnung gibt es in Franz-Josef-Land nur am Kap Flora.
Skorbutkraut (cochlearia officinalis) und farbige Moose wachsen an Kap Flora dank reichlich Wasser und Vogeldüngung prächtig.

Flora (Pflanzen):

Der Ort trägt seinen Namen zu Recht: Kap Flora dürfte im ganzen Archipel der Ort mit der ausgedehntesten üppigen Tundravegetation sein, die  hier sowohl von der Düngung durch die Vögel, als auch durch ihre südliche Ausrichtung (frühe Schneeschmelze) und von oben den ganzen Sommer herabfließendes Schmelzwasser profitiert. Entsprechend findet sich hier eine für Franz-Josef-Land große Artenvielfalt sowohl an höheren Pflanzen (Gräser, Blumen), als auch an Flechten und Moosen.
Die Schutthänge oberhalb des Flachlandes sind teilweise von einer dicken Moosschicht bedeckt, die extrem trittempfindlich ist - diese Bereiche sollten daher nicht begangen werden. Ebenso bewirkt das Begehen steilerer Erdhänge und Erdrinnen zum Ufer hin zu starker zusätzlicher Erosion und Zerstörung des dortigen Bewuchses - die dort blühenden Pflanzen finden sich auch in flacherem Gelände mit geringerem Schadensrisiko durch Fotografen und andere Besucher.
Am nahen Kap Gertrude findet sich ebenfalls eine - schütterere - Tundravegetation auf dem davor liegenden Flachland.
Die übrigen kleinen eisfreien Bereiche der Northbrook Insel bieten nur sehr spärliche Vegetation, primär Flechten und Moose.

 

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Eine Dickschnabellumme, meist das Männchen, geleitet das flugunfähige Junge nach dessen Sprung vom Brutfelsen über die Tundra zum Meer.
Junges und Elternteil haben das sicherere Wasser erreicht, auf dem die Jungen sich selbst ernähren und nach ein paar Wochen auch fliegen können.

Fauna (Tiere):

Opens internal link in current windowTierwelt Franz-Joseph-Land allgemein

Vögel: Über Kap Flora befindet sich einer der größeren Brutfelsen von Franz-Joseph-Land: vor allem Dickschnabellummen und Dreizehenmöwen, deren Dung zur üppigen Vegetation darunter beiträgt. Dazu in geringerer Zahl Gryllteisten, Eismöwen, Gänse, Meeresstrandläufer, Eiderenten, Schmarotzerraubmöwen, Schneeammern als die typischeren Arten. Ungefähr in der 2. Augustwoche (mit Nachzüglern auch noch bis Mitte August) findet der "Lummensprung" statt, wenn die noch flugunfähigen Lummenjungen von den Eltern zum Sprung von den Felsbändern in die Tiefe, mit anschließendem Eilmarsch zum Ufer, animiert werden. Bei Besuchen genau in dieser Zeit sollte darauf geachtet werden, die Vögel wenigstmöglich am Erreichen des Wassers zu hindern - etwa indem die Gruppe sich möglichst wenig über das Gelände verteilt.
Eisfuchs: Kap Flora ist einer der Orte mit der höchsten Wahrscheinlichkeit für die Beobachtung von Eisfüchsen in Franz-Josef-Land, da die vielen Vögel Nahrung und die Schutthänge eine gute Möglichkeit für die Anlage eines Baus bieten.
Walross: Walrosse sind fast immer im Wasser um die Northbrook-Insel anzutreffen, auch in der Umgebung von Kap Flora. Häufig finden sich hier auch auf Meereis (so noch vorhanden) oder an Ufern ruhende Walrossgruppen. Achtung: häufig Weibchen mit Jungtieren, die extrem leicht in Panik geraten, wobei Jungtiere bei der Flucht ins Wasser erdrückt werden können - siehe hierzu auch weitere Anmerkungen weiter unten unter "Tourismus".
Eisbär: Selbst bei wenig Treibeis und folglich wenig Chancen auf Robben Kap Flora wird häufig von einzelnen Eisbären besucht, die in der Gegend auf Walrossjunge hoffen oder hungrig von der reichlichen Vegetation fressen und sich gern im Schutz von einem der vielen Felsblöcke ausruhen, wo sie leicht übersehen werden können.  Daher Vorsicht (Vorerkundung) bei Landungen.
Wale: Walbeobachtungen im Meer südlich von Kap Flora sind sehr häufig, u.a. Buckelwal, gelegentlich auch Grönlandwal da hier an mehreren Stellen Aufwallungen bestehen, die für Nahrung an der Oberfläche sorgen.

 

1879 - die Teilnehmer der niederländischen Forschungsfahrt der WILLEM BARENTZ in die Barentssee unter Leitung von de Bruyne waren die ersten, die die Northbrook Insel mit Sicherheit sahen - zu dichtes Treibeis verhinderte jedoch eine Landung.

Geschichte und Namen: 

Siehe auch folgende Themen:
Opens internal link in current windowGeschichte - Zusammenfassung
Opens internal link in current windowChronik - detailliertere Geschichtsinformationen Jahr für Jahr

Hier die Geschichte der Northbrook-Insel insgesamt. Weiter unten wird die Geschichte von Kap Flora aufgrund von dessen besonderer Bedeutung separat behandelt.

Es ist anzunehmen, daß die Northbrook Insel bereits durch die TEGETTHOFF Expedition von Osten her aus weiter Ferne gesehen wurde, allerdings nur als Teil der südlichen Küstenlinien des Archipels - vom Liegeplatz der im Eis eingeschlossenen TEGETTHOFF aus war der Südosten der Insel jedenfalls im Prinzip erkennbar, wenn auch nicht als eigenständige Insel.
1879 wurde zumindest der Osten der Northbrook Insel durch die niederländische Expedition unter de Bruyne auf dem Schoner WILLEM BARENTS aus der Ferne gesehen, die sich der Inselgruppe wegen viel Eis jedoch nicht weiter näherte. Auf diese Expedition geht der Name Kap Barents für den östlichsten Punkt (einige aus dem Eis ragende Felsen) der Insel zurück.
Die Insel insgesamt wurde erstmalig 1880 durch Benjamin Leigh-Smith auf seiner Privatexpedition komplett kartiert und zu Ehren des Earls of Northbrook, damaliger Präsident der Royal Geographic Society, benannt, wobei sich auf dieser Karte die Namen Cape Flora (vermutlich doppelter Namensgrund - Leigh Smiths geschätzte Cousine Flora Smith und die reiche Flora), Gunther Bay (Albrecht Günther, 1830-1914, deutscher Zoologe, Direktor der zoologischen Abteilung des Natural History Museums in London) und Cape Barents finden.
Auf Jackson geht der Name Camp Point für das unspektakuläre, eisfreie nördlichste Ende der Insel zurück, da er hier 1895 auf seiner Schlittentour in den Norden des Britannia Kanals zwischendurch übernachtete. Er benannte auch Kap Gertrude östlich gegenüber von Kap Flora.
Die der Ostseite der Northbrook Insel vorgelagerte kleine Robertson Insel wurde 1897 durch Kapitän Thomas Robertson (1855-1918) des schottischen Walfangschiffs BALAENA entdeckt, der danach Jacksons Expedition auf Kap Flora besuchte und die Insel dort meldete. Dabei traf er unter anderem Jacksons Teilnehmer William Speirs Bruce, Naturwissenschaftler und Polarpionier, bei dem sich Robertson später erfolgreich als Kapitän für die SCOTIA der von Bruce geleiteten Scottish National Antarctic Expedition 1902-04 bewarb.

Ansonsten sind fast alle geschichtlichen Ereignisse auf der Northbrook Insel mit Kap Flora verknüpft, das für die Pioniergeschichte der Inselgruppe insgesamt zusammen mit der Teplitz Bucht auf der Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterRudolf Insel einer der wichtigsten Punkte ist und dementsprechend gern auch heute von touristischen Reisen angesteuert wird. Die Geschichte Kap Floras wird daher auf dieser Seite weiter unten speziell unter Kap Flora behandelt, siehe außerdem auch unter Tourismus.

Ende des 19. Jahrhunderts dürften einige Strände der Northbrook Insel zu den wichtigsten Walroß-Ruheplätzen der ganzen Inselgruppe gehört haben, mit einst tausenden dort liegenden Tieren. Zusammen mit ihrer relativ leichten Erreichbarkeit machte sie das zum beliebten Ziel von vor allem norwegischen und britischen Jagdschiffen bis zur Annektion von Franz-Josef-Land durch die Sowjetunion. Entsprechend dezimiert wurden hier die Bestände und haben sich längst nicht wieder auf die früheren Größen erholt. Allein für 1898 wird berichtet, daß die britische BALAENA ca. 600 Walrosse hier erbeutete - wobei die große Mehrzahl der getöteten Tiere allerdings versank, sodaß Zeugen die Gesamtzahl der hier von diesem Schiff in einem Sommer erlegten (jedoch großteils nicht geborgenen) Tiere auf ca. 2000 Walrosse schätzten - die später verhungerten oder von Eisbären gefressenen Jungen getöteter Mütter noch nicht mitgerechnet. Die BALAENA war weder das einzige Jagdschiff, noch war 1898 die einzige Jagdsaison.
Heute hält sich nur noch ein kleiner Bruchteil der einstigen Zahlen von Walrossen im Bereich der Northbrook Insel auf - allerdings hat auch die Zahl geeigneter Ruheplätze im Archipel vermutlich durch den Rückgang des Eises zugenommen.

Während der Sowjetzeit spielte die Northbrook Insel kaum eine Rolle. Seit der erneuten touristischen Öffnung von Franz-Josef-Land sind zumindest Kap Flora und daneben die Gunther Bucht zu gern besuchten Tourismuszielen geworden (siehe weiter unten: Tourismus).

Im August 2012 errichtete die Nationalparkverwaltung in der St. Foka Bucht eine kleine Forscherbasis aus 3 Wohncontainern etwa 2 km nordöstlich von Kap Flora für saisonale Forschungsprojekte.

 

Nachdem Leigh-Smiths EIRA 1881 am Kap Flora vom Eis zerdrückt wurde, ...
... mußte die Expedition in einer improvisierten Hütte aus Schiffsmaterial überwintern.
Collage: Ruine von Leigh Smiths Winter-Schutzhütte 1894, gleiche Stelle (siehe markierte Steine) 2011 - die Hütte ist komplett Opfer der Küstenerosion geworden.
1894: Die von den gröbsten Steinen gesäuberte Trasse, über die Jacksons Mannschaft das Baumaterial vom über des Steilufer und dann auf die Kap-Ebene zerrte, ist noch zu sehen.
Collage: Der Tümpel heute (mit gesunkenem Wasserspiegel) und zu Jacksons Zeit (1894-97) mit den damaligen zahlreichen Gebäuden.
Von Jacksons solider Haupthütte direkt neben dem Felsblock sind nur noch schwache Bodenspuren und spröde Reste von Metallobjekten, Knochen, Porzellan- und Glasscherben, etc. zu erkennen.
Nur von einer weiteren Hütte ist noch ein Teil der hölzernen Bodenplattform erhalten.
Im Bereich der 4 achteckigen Leichthütten (Ställe, Futter) ist nur ein einziges Fundament sichtbar.
Diese kleine Hütte Jacksons (vermutlich ursprünglich für Instrumente) verschob die Fiala-Ziegler-Expedition 1904 weiter den Hang hinauf. Sie stürzte erst im Winter 2010/11 ein. Das russische Kreuz stammt aus den 1990er Jahren.
Den Stein-Obelisken stellte die norwegische Støkken Suchexpedition auf, die nach den 3 im Norden der Inselgruppe Vermißten der STELLA POLARE Expedition (1899/1900) Ausschau hielt, wegen der schwierigen Eislage aber nicht weit vordringen konnte.
Der russische Eisbrecher JERMAK des Admiral Makarow besuchte Kap Flora 1901, wobei eine "Bambushütte" aufgebaut wurde - Bambusreste liegen noch heute verstreut herum.
2012 richtete die Nationalpark-Verwaltung ca. 2 km nordöstlich von Kap Flora auf der Westseite der St. Foka Bucht eine Basis für sommerliche Forschungsprojekte aus 3 Wohncontainern ein.

Geschichte Kap Flora: Das Kap ist durch seine Lage am Südrand des Archipels und dank statistisch weniger Eisproblemen als in vielen anderen Teilen der Inselgruppe die wohl am häufigsten genutzte Basis für verschiedene Expeditionen der Pionierzeit gewesen - und heute einer der beliebtesten touristischen Anlaufpunkte.
Erster bekannter Besucher war der Engländer Benjamin Leigh Smith mit seinen beiden Franz-Joseph-Land Expeditionen 1880 und 1881/82, der mit seiner Mannschaft den Winter 1881/82 unfreiwillig in einer improvisierten Behausung auf Kap Flora verbringen mußte, nachdem sein Schiff EIRA vor dem Kap von Eis zerdrückt wurde (siehe auch Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterCamp EIRA, Bell Insel). 1996 konnten Susan Barr et al. noch letzte Reste dieses "EIRA Cottage" direkt auf der Erosionskante am Ufer erkennen. Im August 2011 identifizierte Expeditionsleiter Andreas Umbreit während einer Landung der AKADEMIK SHOKALSKIY auf Kap Flora anhand eines alten Fotos Jacksons die genaue Position von Eira Cottage etwas westlich von Kap Flora anhand von sowohl auf dem Foto als auch im Gelände erkennbarer Steinblöcke, die einst direkt nördlich der Hütte lagen - demzufolge sind mittlerweile sämtliche Reste der improvisierten Hütte der starken Küstenerosion zum Opfer gefallen. Die EIRA dürfte in unmittelbarer Nähe der Hütte gesunken sein. Es ist jedoch anzunehmen, daß ihre Reste in dem flachen Wasser mittlerweile weitestgehend durch über den Grund pflügende Eisberge vernichtet wurden.
Das wenige, was heute an Gebäudespuren auf Kap Flora noch zu erkennen ist, geht praktisch vollständig auf die Jackson-Harmsworth Expedition zurück, die hier 1894-97 ihre Basis für eine systematische Erforschung des Westens des Archipels hatte und nebenbei auch die Rettung für Nansen und Johansen nach deren unfreiwilliger Überwinterung auf der Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterÖffnet einen internen Link im aktuellen FensterJackson Insel war. Nansen seinerseits hatte vorher Jackson die Teilnahme an der FRAM Expedition aus nationalistischen Gründen verweigert und nahm sich hinterher die Freiheit, nachdem ihm Jackson mit seinem Versorgungsschiff 1896 die Rückkehr in die Zivilisation ermöglicht hatte, Jacksons umfangreiche kartographische Arbeiten in seine eigenen Expeditionsveröffentlichungen zu übernehmen (unter Nennung von Jacksons Namen), bevor der erst 1897 zurückkehrende Jackson diese selbst veröffentlichen konnte. Jacksons Leistungen sind heute kaum noch bekannt, da seiner sorgfältig organisierten Expedition die publikumswirksame Dramatik des Scheiterns fehlte. Selbst die von Jackson auf Kap Flora errichteten Gebäude werden in manchen Internetveröffentlichungen absurderweise Nansen zugeschrieben - dieser hätte die dafür erforderlichen Baumaterialien kaum in seinem Ziehschlitten mitführen können.
Weitere frühe Expeditionen, die sich zumindest kurzzeitig auf Kap Flora aufhielten: Wellman (1898), STELLA POLARE Expedition des Herzogs der Abruzzen (1989/1900), der russische Eisbrecher JERMAK und die Baldwin-Ziegler Expedition 1901, die Støkken Suchexpedition von 1901 (errichtete das obelisk-förmige Denkmal auf Kap Flora), die Fiala-Ziegler Expedition (Teile der Expedition überwinterten hier 1904-05, während sie auf das Rettungsschiff warteten, u.a. auch Abbau örtlicher Steinkohle in einem Flöz oberhalb von Kap Flora), die russische Sedow Expedition (1913 und 1914 einschließlich Rettung der beiden einzigen Überlebenden der russischen Brussilow-Expedition (ST. ANNA) - Valerian Albanov und Alexander Konrad - auf Kap Flora), die russische HERTHA Expedition (1914) und 1929 die norwegische HOBBY.
Im Verhältnis zur Vielzahl der Pionierexpeditionen, die sich auf Kap Flora aufhielten, ist nur noch relativ wenig an Anlagen übrig geblieben. Ein Teil wurde als Material weiterverwertet (Wellman: Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterKap Tegetthoff), eine Menge Bauholz wurde auch schlicht von Nachfolgeexpeditionen verheizt: insbesondere die Sedov Expedition versorgte sich hier reichlich mit Feuermaterial, da ihr für die Rückkehr nach Russland 1914 die nötige Maschinenkohle ausgegangen war. Gegenstände, die sich nahe am Steilufer befanden, wurden vermutlich Opfer der Küstenerosion - Meer und Meereis nagen stark an der Uferkante von Kap Flora, die nicht aus Fels, sondern gefrorenem eiszeitlichem Moränenmaterial besteht. Und schließlich gibt es auch aus jüngster Zeit Schwund zu beklagen: ein 1991 noch vorhandener  großer Küchenherd Jacksons ist mittlerweile in einer unbekannten russischen Sammlung verschwunden.
Die letzte noch stehende kleine Hütte, ursprünglich von der Jackson Expedition errichtet und 1904 von der Fiala-Ziegler Expedition ein wenig weiter nach oben versetzt, stürzte im Winter 2010/11 zusammen.
Darüber hinaus ist auch Kap Flora leider nicht von dem zweifelhaften Trend verschont geblieben, daß hier alle möglichen modernen Gedenktafeln für die verschiedenen historischen Ereignisse die Authentizität des Platzes schmälern, ohne viel Informationsgewinn zu bringen - denn die Mehrzahl der Besucher ist mit der Geschichte von Kap Flora in Grundzügen vertraut.

 

Tiefe Radabdrücke von Hubschraubern in der weichen Tundra (Videokamera als Größenvergleich neben dem vordersten Abdruck im Bild) sind eine eigentlich leicht vermeidbare Beeinträchtigung des historischen Platzes.

Touristisches (Kap Flora, Gunther Bucht):

Siehe auch: Opens internal link in current windowReisemöglichkeiten

Hauptsächlich besucht werden hier Kap Flora, gelegentlich auch die Gunther Bucht (zu beiden touristische Informationen nachfolgend). Andere Punkte der Northbrook Insel werden kaum angesteuert.

Kap Flora
zählt zu den wichtigsten touristischen Zielen in Franz-Joseph-Land. Landungen sind allerdings oft problematisch - im Sommer in der Regel weniger wegen Eis, sondern wegen häufiger Brandung an den Küsten, während Hubschraubereinsätze wegen der zahlreichen Vögel insbesondere im Juli und bis in den August hineín ungünstig sind. Im Juni 2011 kollidierte der Hubschrauber der 50 LET POBEDY im Landanflug mit Vögeln. Glücklicherweise war erstens eine kontrollierte Landung, und zweitens dann auch eine Evakuierung der Passagiere mit Zodiacs (ausreichend ruhige See und kein Eis) möglich. Wegen des Rotorschadens erschien ein Rücktransport mit dem Hubschrauber als zu gewagt. Sowohl aus Sicherheits- als auch aus Naturschutzgründen sind Hubschrauberflüge so nah an einem Vogelfelsen zumindest von Ende Mai bis Mitte August fragwürdig.
Ein weiteres Hindernis kann ein zufälliger Eisbär sein, der sich das Kap bereits als Ruheplatz ausgesucht hat, weshalb dann aus Sicherheitsgründen eine geplante Landung eventuell abgesagt werden muß.

Aus der Pionierzeit auf Kap Flora sind noch spärliche Reste der Basis Jacksons (Fundamente, verstreut auch Ausrüstungsteile der Häuser und eine zusammengestürzte kleine Hütte), verstreute Bambusreste der "Bambushütte" Makarows und der Stökken Gedenkobelisk vorhanden. Spannend ist im übrigen auch die vergleichsweise vielfältige Pflanzen- und Vogelwelt.
Rücksicht ist hier angesagt - sowohl zum Vermeiden von Veränderungen und Schäden an den wenigen Relikten der Pionierzeit etwa durch unachtsame Tritte, als auch gegenüber der empfindlichen Flora, die zwar auf harte arktische Bedingungen eingestellt ist, aber nicht auf Erosion durch zahlreiche menschliche Tritte. Empfindlich ist insbesondere auch die Vegetation in den Steilhängen über der Ebene des Kaps. Im Hang wachsen die Pflanzen auf auf lockerem Gesteinsschutt, der bei Anstiegsversuchen in den Hängen sehr leicht in Bewegung gerät und dabei die Pflanzen in großen Mengen entwurzelt. Eine möglichst schadensfreie Ersteigung erfordert daher sehr gute Balance und Trittsicherheit in Kombination mit Geduld - beides ist bei vielen Besuchern nicht ausreichend gegeben. Bisher waren nach jeder Gruppe, aus der viele Teilnehmer die Hänge erstiegen, hinterher deutliche Schäden in der Hangvegetation zu sehen.
Ein weiterer Störfaktor für den Charakter des Ortes sind die zunehmenden Landespuren von Hubschraubern, deren Räder teils tiefe Löcher in der weichen Tundra hinterlassen.

Besuche von Kap Flora sollten daher folgende Punkte berücksichtigen:

  • Äußerste Vorsicht mit Tritten - manch rostig-zerbrechliches Relikt der Pionierzeit, auf dem Boden kaum erkennbar, ist durch einen einzigen Tritt zerstört, besonders typisch: mit Fotografieren beschäftigte und dabei gar rückwärts gehende Besucher.
  • Vermeiden des Begehens der besonders erosionsgefährdeten Steilhänge, sowohl der empfindlichen Moosvegetation auf dem Schutthang oberhalb des Kaps, als auch in den steileren Teilen hinab zum Ufer. Wünschenswert wäre hier eventuell die Ausweisung einer bestimmten Route durch die Nationalparkverwaltung zu einem Aussichtspunkt oberhalb des Kaps, um die Erosion auf eine einzige Spur zu begrenzen.
  • Bei Besuchen in der Zeit des Lummensprungs (1. Augusthälfte) sollten Besuchergruppen dicht zusammengehalten werden, um eine komplette längere Blockade des Wegs der Vögel von den Schutthängen zum Ufer durch großräumig verteilte Besucher zu verhindern.
  • Keine Hubschrauberlandungen auf weicher Tundra und in der Nähe der Pionierrelikte. Wünschenswert wäre hier die Definition eines bestimmten Landeplatzes durch die Nationalparkverwaltung. Ob Hubschrauberlandungen so nah bei Vogelfelsen überhaupt erfolgen sollten, ist eine weitere Frage.


Wegen des flachen Wassers: lange Fahrstrecken im Schlauchboot
Gunther Bucht - Ostseite, hinten Blick durch den Bereich der seichten Passage hindurch auf Kap Gertrude an der Südküste der Northbrook Insel.
Falls Walrosse angetroffen werden: Vorsicht - sowohl hinsichtlich Vermeiden von Panik der Tiere, als auch bezüglich Teilnehmer-Sicherheit im Boot.
Westseite der Gunther Bucht.

Gunther Bucht:
Neben Kap Flora wird teilweise auch der Bereich des durch das Abschmelzen des Gletschereises freigelegten flachen Meeresarmes zwischen der Gunther Bucht in dessen Nordwesten und der St. Foka Bucht im Südosten mit Motorschlauchbooten besucht, um hier eventuell Walrosse zu sehen.
Während Kap Flora mit seinem Grün und vergleichsweise viel eisfreiem Land eher die Ausnahme ist, ist die Gunther Bucht typisch: Das Gletschereis reicht fast überall bis ins Meer (mit niedrigeren Abbruchfronten), gelegentlich ragen darunter schmale Strandsäume oder Nehrungen heraus, sowie einzelne Sandbänke im Wasser. Landungen sind hier nur begrenzt möglich.
Dabei ist zu berücksichtigen:

  • Es handelt sich hier sowohl in der Passage, als auch in den vorgelagerten Buchten um extrem flache Gewässer - entsprechend große Entfernungen sind vom weit draußen ankernden Schiff zurückzulegen und große Vorsicht ist erforderlich, um ein Aufsitzen der Schlauchboote auch in großem Abstand von Ufern zu vermeiden. Insbesondere vom Versuch, die ganze Passage zu befahren, ist abzuraten, da dies zu Problemen aus denkbaren Kombinationen von Untiefen - Strömungen - Walrossen - Eisbären führen kann.
  • Aufgrund der weiten Fahrstrecken und der geringen Wassertiefe sind ruhige, stabile Verhältnisse (Wind, Seegang) wichtig.
  • Für Walrossbeobachtungen gelten die üblichen Sicherheitsregeln (kein Stehen in den Booten, etc.).
  • Bei Walrossen in diesem Bereich handelt es sich überwiegend um Weibchen, oft mit Jungen, die weitaus leichter zu beunruhigen sind, als überwiegend aus Bullen bestehende Walrossgruppen in Spitzbergen. Insbesondere beim Ruhen an Land, wo die Tiere schwerfällig sind, kann Beunruhigung leicht zu panischer Flucht ins Wasser führen, wobei Junge erdrückt werden können. Eine Annäherung muß daher derartige Panik vermeiden: extrem langsam, Boote eng zusammen (um Eindruck des Einkreisens zu vermeiden), schon in großer Entfernung für die Tiere sichtbar (um Überraschungsschreck zu vermeiden), bei aufkommender Unruhe sofortiger Rückzug. In dem sehr flachen Wasser stellt all dies hohe Anforderungen an die Umsicht der Bootsfahrer. Eine durch Touristen ausgelöste panische Massenflucht einer ganzen Walrosskolonie ins Wasser ist aus Naturschutzsicht inakzeptabel.

 

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Letzte Änderung: 24.06.2013