Wilczek Land (Vilcheka), Kap Heller - Franz-Joseph-Land

Um Kap Hansa erstreckt sich mit über 50 km² das größte eisfreie Gebiet von Wilczek Land, einschließlich einer bis 240m hohen Bergkette und einem See.
Blick von Kap Hansa über das Inlandeis zu den über 600 m hohen, aus dem Eis herausragenden Gipfeln der Wüllerstorf Berge im inneren Wilczek Land.
Das eisfreie Gebiet bei Kap Hansa, von Norden her.
Den größten Teil der Westküste des Wilczek Landes bildet eine ca. 30 km lange Gletscherabbruchfront.
Die Nordwestecke mit Kap Heller und Kap Schmarda (links) ist ein weiterer wenig vereister Bereich.
Kap Schmarda (Mitte) und Blick entlang der gesamten Nordküste (links) Richtung Kap Vilas
Milky Gletscher an der westlichen Nordküste.
Die Steilabstürze des Foraken Rock an der zentralen Nordküste.
Im Bereich der östlichen Nordküste des Wilczek Landes
Kap Vilas an der Nordostecke Blick von Norden, im linken Bildteil entlang der nördlichen Ostküste.

 

Öffnet einen internen Link im aktuellen Fenster Übersicht über den Archipel


Allgemeines, Landschaft:

 Die Insel Wilczek Land im südlichen Teil des Archipels (nicht zu verwechseln mit der viel kleineren Wilczek Insel) ist mit ca. 2050 km² Fläche die zweitgrößte des Archipels und von annähernd viereckiger Form mit einem maximalen Durchmesser von ca. 65 km. Bis auf einige Küstenbereiche im Norden und Süden ist die Insel fast völlig von teils mächtigen Gletschern bedeckt und erreicht in den zentralen Wüllerstorfbergen bis 606 m Höhe. In einigen Publikationen wird diese Berggruppe abweichend mit größeren Höhen als die höchste Erhebung von Franz-Josef-Land genannt.

Namen: Die Insel wurde durch die TEGETTHOFF Expedition (1872-74) entdeckt und nach ihrem Hauptsponsor und Förderer, Graf Johann Nepomuk Wilczek benannt. Dieselbe Expedition benannte Kap Heller (Camill Heller, österreichischer Zoologe), Kap Hansa (nach dem früheren Expeditionsschiff HANSA von Carl Weyprecht), Wüllerstorf Berge (Bernhard von Wüllersdorf-Urbair - österreichischser Admiral, Handelsminister und Forscher), Kap Höfer (Prof. Hans Höfer, österreichischer Geologe und Mitglied der unterstützenden ISBJÖRN expedition), Kap Schmarda (Prof. Ludwig Karl Schmarda, österreichischer Zoologe und Forscher).
Im Osten und Nordosten stammen einige Namen von Wellman (1899): Kap Vilas, Kap Lamont, Kap Elkins, Fairbanks Rock, Foraken Rock, Renown Gletscher, Milky Gletscher, Impetuous Gletscher, Tyndall Eiskappe.

 


Rechts: Fotos verschiedener Teile von Wilczek Land - Anklicken öffnet vergrößerte Version des jeweiligen Bildes.

Fotoserie zu Kap Heller: weiter unten auf dieser Seite.

 

 

 

Geschichte:

Siehe auch folgende Themen:
Opens internal link in current windowGeschichte - Zusammenfassung
Opens internal link in current windowChronik - detailliertere Geschichte Jahr für Jahr

Das Wilczek Land wurde bereits durch die Weyprecht-Payer Expedition 1873 gesichtet und seine West- und Südseite im Frühjahr 1874 auf den Schlittenreisen unter Leitung Payers kartiert. Von dieser Expedition stammen auch die zahlreichen deutschen Namen auf der Insel (Graf Wilczek war der zentrale Förderer der Expedition): Kap Hansa an der Südwestspitze, die Wüllerstorfberge, Kap Heller und Kap Schmarda im Nordwesten, Kap Hofer im Südosten. Auf dem Rückweg von ihrem Vorstoß nach Norden mußte die Erkundungsgruppe, da der südliche Austria Sund im Frühjahr 1874 bereits teilweise kein tragfähiges Eis mehr hatte, über das südwestliche Inland der Wilczek Insel nach Süden Richtung Schiff marschieren.
Der Osten und Norden des Wilczek Landes wurde dann erstmalig durch die Wellman Nordpol Expedition im Frühjahr 1899 kartiert.
Die Wellman Expedition wurde jedoch vor allem durch die dramatische Überwinterung der norwegischen Mitglieder Bjørvig und Bentsen auf Kap Heller bekannt, die dort ein großspurig als Fort McKinley benanntes Depot über den Winter bewachen sollten. Hierfür stand ihnen neben einem primitiven Unterschlupf mit Wänden aus aufgelesenen Steinen und Dach aus Walroßhaut nur ein Minimum an Versorgungsgütern zur Verfügung - unter anderem war es den ganzen Winter über nicht möglich, den Unterschlupf über den Gefrierpunkt zu bringen. Schon früh im Winter verstarb Bentsen und Björvig, der Bentsen versprochen hatte, seinen Leichnam nicht den Eisbären zu überlassen, verbrachte den restlichen Winter mit der gefrorenen Leiche neben sich.
Im Frühjahr tauchte dann Wellman mit seinem Vorstoß zum Nordpol am Depot auf und nach der Beerdigung Bentsens schloß sich Bjørvig dem Nordpolunternehmen an, das jedoch bald darauf scheiterte und zur Hauptbasis auf Kap Tegetthoff (Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterHall Insel) zurückkehrte. Dort erlebte Bjørvig nach 9 Monaten erstmalig wieder einen beheizten Raum. Die letzte große Schlittentour Baldwins im Frühjahr 1899, bei der zunächst die Ostküste des Wilczek Landes erkundet und die Opens internal link in current windowGraham Bell Insel entdeckt und dann über die Nord- und Westküste des Wilczek Landes zurückgekehrt wurde, nutzte "Fort McKinley" nochmals für einen 3-tägigen Zwischenstop. Die Mauern von "Fort McKinley" stehen noch auf Kap Heller, ebenso das - in der Sowjetzeit erneuerte - Grab von Bentsen und im Gelände verstreut ein paar Relikte der Wellman Expedition, sowie weiterer späterer Besucher, ferner eine Erinnerungstafel und ein Markierungspfahl mit deutlichen Eisbären-Kratzspuren.

 

Touristisches:

Siehe auch: Opens internal link in current windowReisemöglichkeiten

Hauptattraktion von Wilczek Land ist Kap Heller mit den Resten des Wellman Depots. Zu sehen sind die Mauerreste der primitiven Hütte mit ihrem Hauptraum und den darum herum angelegten Vorratsräumen, unterhalb der Hütte der Bereich der Schlittenhunde (durch Düngung etwas mehr Pflanzenwuchs) westlich davon das in der Sowjetzeit erneuerte Grab von Bentsen und ganz außen auf der Landspitze der Markierungspfahl mit den Eisbären-Kratzspuren. Oben auf dem Felskamm über der Hütte stand 1898/99 ein Observatorium, von dem jedoch nichts mehr erkennbar ist.
Auch optisch ist Kap Heller in all seiner Ödnis durch den starken Kontrast zwischen den dunklen vulkanischen Felsen und dem Eis ein interessanter Platz. Allerdings wird in vielen Jahren eine Annäherung auch im Sommer durch Meereis erschwert - tendentiell weniger bei späteren Terminen. Die nachfolgenden Bilder stammen teils aus dem eisreichen Sommer 2003 - Ende Juli mußte sich hier die KAPITAN DRANITSYN durch eine dicke geschlossene Eisdecke mit entsprechendem Zeitbedarf durchbrechen - und teilweise aus dem Sommer 2004 mit deutlich weniger Eis. Ebenso zeigen die Bilder, daß bei früheren Terminen Teile der Anlage noch unter Altschnee verborgen sein können, der später im August dann meist weitgehend verschwunden ist. 

Denkmalschutz:
Mangels Besuchern haben sich die Relikte auf Kap Heller über 100 Jahre bemerkenswert gut erhalten. Um eine rasche Zerstörung durch Tourismus zu vermeiden, sollten von allen Besuchern folgende Regeln beachtet werden:
• Sorgfältig darauf achten, wohin man tritt - im Umfeld der Hüttenreste gibt es am Boden  eine Reihe unscheinbarer Relikte, etwa verrostete Kleinteile, verrottete Textilfetzen. Ein unachtsamer Tritt zerstört diese endgültig.
• Nicht auf Mauer- und Wallreste steigen, dies kann Steine zum Absturz bringen und damit den Verfall beschleunigen.
• Die Innenräume der Anlage nicht betreten - hier können im dortigen Gemisch aus Morast, Holzresten, etc. noch für Archäologen interessante Spuren im Boden verborgen sein, die durch Tritte unbemerkt zerstört werden können.
• Nichts hochheben, verschieben, physisch untersuchen oder sonstwie verändern: der Wert eines Kulturdenkmales liegt für normale Besucher und Archäologen in maximaler Authentizität. Wenn jeder Besucher auch nur eine Kleinigkeit ändert, ist der geschichtliche Wert bald verloren.
Solche Plätze besuchen zu können, ist trotz bezahltem Reisepreis ein Privileg. Respektiere sie, statt sie zu ruinieren.

 

Die nachfolgenden Bilder geben einen Überblick über Kap Heller - Anklicken führt zu vergrößerter Darstellung des jeweiligen Bildes !

Kap Heller mit offenem Wasser aus Südwesten ...
... und aus der Luft mit Ende Juli (hinten die DRANITSYN) noch geschlossener Eisdecke.
Die äußere Landspitze,
... ihr Mittelteil mit dem Felsrücken und dem Hütten- und Grabbereich sowohl mit ...
... als auch zu einem späteren Termin ohne Meereis,
... und der Übergang der Landspitze in den Nordwesten der Insel.
Blick vom Hügel auf Kap Heller ostwärts zum Land
... und westwärts zur Kapspitze und Richtung Wiener Neustadt Insel im Hintergrund,
... sowie hinab zu den Hüttenresten und dem Grab.
Der Hüttenbereich zweimal von Süden: im Spätjuli freitauend ...
... und schneefrei an einem anderen Termin (starke jährliche Unterschiede).
Der Hütteneingang von Osten,
und Blick über die Mauerreste von Osten, sowie von ...
... Nordwesten. Der Schnee verdeckt die Details am Boden, dafür macht er im Bild die Mauern deutlicher erkennbar.
Das in der Sowjetzeit restaurierte Grab von Bentsen
... mit der bei dieser Gelegenheit angebrachten Marmorplatte mit Inschrift.
Die Klagenfurt Insel südlich des Wilczek Landes. Erkennbar der südwestliche Inselarm mit den herausgewitterten magmatischen Felsformationen. Der etwas höhere südwestliche Inselarm ist hinter dem Uferbereich mit den Schneefeldern im Nebel verborgen.
Die Gage Insel nördlich des Kaps Schmarda, Blick auf die steile Westseite.

Umliegende kleine Inseln:

Vor den Küsten von Wilczek Land liegen einige kleinere Inseln - Bilder für Vergrößerung anklicken:

Klagenfurt Insel: südöstlich von Kap Hansa, bzw. vor der Perseibucht, südlich des Wilczek Landes, maximale Ausdehnung ca. 6 km, Fläche ca. 4 km². L-förmige Insel mit langer schmaler niedriger Landzunge nach Südwesten bis zum Kap Raketa, aus der einige freigewitterte magmatische (Basalt mit Tuff) Felszacken herausragen, während auf das kürzere aber breitere nach Südosten gerichtete Inselstück aus einem nach Südosten hin bis auf 21 m Höhe ansteigenden Bergrücken besteht, mit steilen meerseitigen Felsabstürzen. Neben den magmatischen Intrusionen finden sich auf der Insel auch Sedimente: Sandstein aus der unteren Kreide mit eingeschlossenen kleinen Fossilien (Ammoniten, u.a.), sowie dünne Kohleflöze. Die niedrigen Bereiche im Norden der Insel sind teils sehr morastig. Südöstlich ist ein weiteres, gut 100 m durchmessendes Basalt-Eiland vorgelagert.
Die Insel wurde durch die TEGETTHOFF Expedition 1874 entdeckt und nach der österreichischen Stadt Klagenfurt benannt, jedoch vermutlich nicht betreten, sodaß die ersten Besucher an Land wohl zu den verschiedenen sowjetischen/russischen Expeditionen (Geologen, Landvermessung, etc.) gehörten. Touristisch wurde die Insel vermutlich erstmalig im Mai 1994 durch eine Delegation der Stadt Klagenfurt besucht, die von einem Hubschrauber des gecharterten Eisbrechers KAPITAN DRANITSYN auf der zu der Jahreszeit noch schneebedeckten Insel abgesetzt wurde. Eine erste touristische Landung mit Schlauchbooten erfolgte in den 1990er Jahren von der PROFESSOR MOLCHANOV.

Gage Insel: die nach Westen hin ziemlich steil abfallende, fast 1 km² große und bis zu 25 m hohe Felseninsel liegt knapp 4 km nördlich von Kap Schmarda vor der Nordküste des Wilczek Landes an der Mündung des Vanderbilt Sundes in den Austria Kanal. Zur Opens internal link in current windowLaRonciere Insel nach Norden hin sind es rund 6 km Abstand.
Die Gage Insel wurde vermutlich zwar von Payers Schlittengruppe im Frühjahr 1874 gesehen, jedoch wahrscheinlich für einen Teil der angeblichen LaRonciere Halbinsel gehalten. Erst Baldwins Schlittentour im Frühjahr 1899 im Rahmen der Wellman Expedition stellte fest, daß LaRonciere und Wilczek Land getrennte Inseln sind, zwischen denen die Gage Insel liegt, die ihren Namen von der Wellman Expedition erhielt.

Tillo Insel, McNulta Insel, Dawes Insel und Tree Insel: Diese dem im Südosten des Wilczek Landes liegenden Kap Hofer in einer Linie vorgelagerten felsigen Inselchen sind jeweils ca. 1-2 km lang und erreichen maximal 50 m Höhe. Mit Ausnahme der kleinsten und niedribsten (Tillo Insel) wurden sie im Frühjahr 1899 durch Baldwins Schlittentour nach Osten im Rahmen der Wellman Nordpol Expedition entdeckt und benannt.

Gorbinova Inseln: zwei niedrige (max. Höhe 8 m), jeweils nur wenige hundert Quadratmeter große Inselchen ein paar hundert Meter vor der Küste des Wilczek Landes an dessen Ostseite, knapp südlich von Kap Lamont. Da sie zwischen Treibeis nur schwer zu sehen sind, wurden sie erst in der Sowjetzeit entdeckt.

 


Letzte Änderung: 17.12.2012