Alexandra Land - Franz-Joseph-Land


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Allgemeines, Landschaft: Die Alexandra Insel ist mit ca. 1050 km² die viertgrößte des Archipels und liegt in dessen Nordwesten. Der größere Südwesten (Moon Eiskappe) und ein kleinerer Bereich im Osten (Kropotkina Eiskappe) sind praktisch komplett von zwei Eiskappen bedeckt, aus der nur einige Kaps und Küsten-Felswände herausragen. Hierzu gehören u.a. Kap Mary Harmsworth als westlichster Ausläufer, Kap Lofley und Kap Ludlow im Süden und Kap Gerorge Thomas als östlichstem Punkt. Auf der Nordseite ist Kap Nimrod besonders markant. Im Norden der Insel gibt es ein durchschnittlich ca. 20-100 m hoch gelegenes, flaches Hügelland mit zahlreichen Tümpeln und alten Moränen, das einer der größten eisfreien Bereiche der ganzen Inselgruppe ist. Die höchsten Erhebungen befinden sich im Bereich der Moon Eiskappe, höchster Punkt: ca. 380 m.

Abbruchkante der Kropotkin Eiskappe im Osten von Alexandra Land.
Die nördlichste ausgedehnte Tundra Eurasiens mit Permafroststrukturen wie Eiskeilnetzen ...
oder diesen kleineren Strukturen mit farblich unterschiedlichen Moosen.

Klima, Licht: Alexandra Land liegt auf fast 81°N - im Norden dauert der Polartag vom 10. April bis 5. September. Nur wenige Wochen im Sommer taut der Schnee auf den eisfreien Bereichen weg. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei -14,8°C. Bisher bekannte Extremtemperaturen: -48,9°C und +13,8°C. Wie überall in Franz-Josef-Land sind die Niederschlagsmengen relativ gering, der Himmel ist jedoch häufig bedeckt.
Untersuchungen haben ergeben, daß die ausgedehnten Tundraflächen im Norden der Alexandra Inseln seit wohl über 8500 Jahren frei von ganzjähriger Vereisung sind. Küstenbereiche der Inselgruppe wurden bereits vor ca. 10500 Jahren eisfrei. Auf Alexandra Land gefundene alte Rentiergeweihe konnten auf Alter zwischen knapp 6000 und ca. 4000 Jahren datiert werden - zu dieser Zeit war das Klima mild genug, um einer Rentierpopulation Nahrung zu gewähren, die dann mit zunehmender Abkühlung wieder ausstarb.

Geologie: Bei Nagurskoje wurde 1977 eine Bohrung auf der Suche nach Kohle bis auf 3204 m Tiefe vorgenommen. Die oberen 1900 m bestanden aus Sedimenten aus Kreide, Trias und Karbon, darunter folgten Metamorphite des Vendiums. Unterbrochen wurden die Schichten von insgesamt 21 Intrusionen von 2 bis 20 m Dicke, 3 davon in den Sedimentgesteinen, was auf häufige vulkanische Aktivität in der Erdgeschichte der Inselgruppe hindeutet.

Rund 60 Jahre Nutzung haben ihre Spuren hinterlassen - hier das Wrack einer IL-76 nahe der Flugpiste. Mitte Juli gibt es immer noch Schnee und einiges Schmelzwasser im Gelände.
Das moderne Hauptgebäude (hier 2006 im Bau) ersetzt ...
... die baufälligen alten Unterkünfte für die kleine Garnison und eventuelle Gäste.

Geschichte bis heute: Alexandra Land wurde im Frühjahr 1897 durch die Jackson Expedition per Schlittentour näher erforscht und erstmalig genauer kartiert, die die heutige Moon Eiskappe als Payer Glacier und HMS WORCESTER Glacier benannte und auf die auch die meisten der heutigen Kap-Namen zurück gehen.
Im 2. Weltkrieg befand sich im Norden von Alexandra Land die deutsche Kriegswetterstation "Schatzgräber" mit 10 Mann von September 1943 bis Juli 1944, wo sie wegen Trichinoseerkrankung der Besatzung (mit Ausnahme des vegetarischen Arztes) nach Verzehr eines trichinenbefallenen Eisbären evakuiert werden mußte. Die Reste der Station wurden im Laufe der späteren Jahrzehnte weitgehend durch Russen beseitigt bzw. zerstört.
In den 50er Jahren entstand aus dem Landestreifen der deutschen Wetterstation die russische Militärbasis und Wetterstation Nagurskoje, ursprünglich eine vorgeschobene strategische Bomberbasis, die nach Aufkommen der Interkontinentalraketen an Bedeutung verlor und spätestens ab den 1990er Jahren zunehmend verfiel. Die Basis diente darüber hinaus verschiedenen russischen Forschungsaktivitäten als Stützpunkt. Die Landepiste von Nagurskoje ist derzeit der einzige brauchbare Flugplatz in Franz-Joseph-Land. Außerdem gehört zu der Basis eine Wetterstation.
Seit 2006 wurde in Nagurskoe eine moderne neue kleine Basis für die ca. zwei Dutzend Angehörige der dort stationierten russischen Grenzeinheiten, sowie für Gäste, errichtet - einschließlich einer orthodoxen Kapelle. Die Basis wurde Ende April 2010 von Premierminister Putin besucht.
Ein russisches Projekt zur Beseitigung der umfangreichen Umweltsünden der letzten 50 Jahre um die Basis ist in Vorbereitung, wurde aber durch die Wirtschaftskrise verzögert und soll nun 2011 beginnen. Außerdem gibt es - bisher wenig konkrete - Überlegungen, bei Nagurskoje auch eine Tourismusbasis einzurichten, was aber bisher an der Weigerung scheitert, eine Öffnung der Basis für eine internationale zivile Nutzung zu gestatten. Im Frühjahr wird ein Teil des russischen Flugverkehrs zur russischen touristischen Nordpolbasis BARNEO über Nagurskoje abgewickelt - ebenfalls nicht für internationale Gäste.
Die Basis ist nach dem polnisch-russischen Polarflugpionier Jan Nagorski (1888-1976, russisch: Iwan Nagurski) benannt, der als erster Mensch 1914 mit einem Flugzeug in der Arktis unterwegs war.

Name: Die Insel ist benannt nach Prinzessin Alexandra, der Frau von Albert Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha (dem späteren britischen König Edward VII.). Es gibt eine Reihe von Webseiten, die behaupten, daß der Name schon durch die TEGETTHOFF Expedition gegeben wurde und sich auf Großherzogin Alexandra Pavlowna von Russland bezieht, Frau des Erzherzogs Joseph von Österreich. Allerdings ist auf der Karte der TEGETTHOFF Expedition der Westen des Archipels praktisch leer, nur ein Teil der Westküste der Prince George Insel ist vage angedeutet (der aus großer Entfernung von Kap Brünn auf Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterMcClintock Island im Frühjahr 1874 ausgemacht werden konnte), und die dahinter vermuteten gewaltigen Landmassen werden dort lediglich als Zichy Land bezeichnet: keine Erwähnung eines Alexandra Landes, dieser Name taucht erstmals auf der Karte des britischen Forschers Leigh Smith auf.

Touristisches: Prinzipiell wäre Alexandra Land vor allem wegen einer der nördlichsten ausgedehnten Tundren der Welt, sowie wegen den Resten der deutschen Kriegswetterstation und der nördlichsten aktiven Station Eurasiens touristisch interessant. Wegen der Militärbasis ist die Alexandra-Insel bisher jedoch normalerweise Sperrgebiet, ebenso große Teile der Nachbarinsel George Land.

Kap Ludlow, südwestliches Alexandra Land. Die sich darüber erhebende Eiskappe hebt sich nur schwach gegen den diesigen Himmel ab.

Letzte Änderung: 24.04.2011