(Prince) George Land - Franz-Joseph-Land

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Allgemeines/Landschaft: George Land ist sowohl die größte (ca. 2820 km²) als auch längste (bis 115 km) im Franz-Josef-Land Archipel. Wie für die meisten Teile der Inselgruppe typisch, besteht sie aus ausgedehnten Plateaubergen, die jedoch großteils unter Eiskappen begraben liegen (bis max. 415 m), aus denen lediglich verschiedene steil aufragende Kaps und einige Felskanten herausslugen, darunter teilweise kleinere eisfreie vorgelagerte Uferbereiche. Lediglich im Norden gibt es ausgedehnte Tieflandbereiche auf der Armitage Halbinsel mit größeren eisfreien spärlichen Tundraflächen. Das erdgeschichtlich ursprünglich wohl durchgehende Bergplateau ist im Laufe der Jahrmillionen, zuletzt auch durch die Eiszeiten stark zergliedert worden, sodaß die Insel heute eine sehr stark gegliederte Küstenlinie besitzt.

Biologie: Insbesondere das eisfreie Flachland im Norden ist großräumig von einer schütteren Tundravegetation bedeckt, vielerorts aber auch praktisch nur Moose und Flechten. Unmittelbar unter Vogelfelsen findet sich örtlich auch eine produktivere Pflanzenwelt. Aufgrund der größeren Vielfalt an auch eisfreien Geländearten brüten auf George Land die meisten der 13 normalen Brutvogelarten von Franz-Josef-Land - primär Alle alle, Cepphus grylle, Rissa tridactyla, Uria lomvi und Fulmarus glacialis in ihren Brutkolonien in Felswänden und Steilhängen, die übrigen Arten verstreuter.

Nap Neale aus Südwesten.
Cape Grant von Süden.

Geschichte: Für die Payer-Weyprecht Expedition war der Westen des Archipels selbst von ihrem westlichsten erreichten Punkt (Kap Brünn auf der Ostseite der McClintock Insel) bestenfalls vage in der Ferne, ohne Details, erkennbar. Entsprechend ist in diese Richtung bis auf ein vage skizziertes Stück der Südostküste nichts Konkretes im Bereich des heutigen George Landes eingezeichnet und der ganze Land Bereich dort wird zusammenfassend als Zichy Land bezeichnet. 
Der erste Nahkontakt mit der Insel erfolgte 1880 durch die Expedition von Benjamin Leigh Smith, der die südwestlichen Küsten mit seinem Segelschiff EIRA von Kap Peterhead bis Kap Neale erkundete, wobei die Mehrzahl der Kaps die Namen von Expeditionsmitgliedern erhielt. Der Rest der Insel war durch zu viel Meereis unzugänglich, sodaß sowohl seine Ausdehnung nach Norden, als auch die Aufteilung der Landmasse in zwei Inseln - George und Alexandra - noch unbekannt blieb. Auf Leigh Smiths Expeditionskarte wird der ganze westlichste Bereich des Archipels stattdessen als Alexandra Land bezeichnet und zieht sich spekulativ noch weit in Richtung Spitzbergen.
Eine ausführlichere Erkundung an Land erfolgte dann durch die Jackson-Harmsworth Expedition (1894-97), die die Prince George Insel und Alexandra Land auf mehreren Erkundungstouren kartierte - zunächst im Süden per Schiff, dann im Frühjahr 1897 per Schlitten bis hinauf an die Nordküsten von Alexandra Land und Prince George Land. Dieser Name wird der Insel von der Expedition erst 1897 gegeben, als sich herausstellte, daß Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterAlexandra Land und George Land durch den Cambridge Sund getrennt sind. Bei damals komplett zugefrorenen Sunden zwischen den Inseln mit Schneeverwehungen war es offensichtlich schwer, abzugrenzen, wo im flachen Norden von George Land das Meer aufhörte und das Land begann. Irrtümlich hielten die Schlittenreisenden daher den Norden von George Land für eine eigene Insel, die als Armitage Land bezeichnet wurde. 
Wie erst 2010 durch russische Wissenschaftler gemachte Knochen- und Dokumentfunde belegen, wurde George Land durch Überlebende der russischen ST ANNA Expedition 1914 erreicht, einer verstarb hier.
Trotz seiner Größe spielte George Land in der menschlichen Geschichte des Archipels nur eine begrenzte Rolle - einzelne Kaps wurden von einzelnen Pionierexpeditionen als vorübergehende Lagerplätze und für Depots, etc. genutzt. Am Kap Neale erfolgte 1928 eine Anlandung durch den sowjetischen Eisbrecher KRASSIN, wobei hier die sowjetische Flagge gehißt und die Annexion des Archipels erklärt wurde.

Name: 1897 von Jackson benannt nach Georg Friedrich Ernst Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, Prince of Wales (späterer König George V. of Windsor).
Im Internet findet sich vielfach die Aussage, vermutlich immer wieder abgeschrieben, daß Prince George Land durch die TEGETTHOFF Expedition nach dem Prinzen George Louis von Hessen Darmstadt benannt wurde, der zwar in österreichischen Diensten stand und wie Weyprecht Bezug zu Darmstadt hatte, jedoch schon 168 Jahre vor der Expedition verstorben war und in seinem Lebenslauf keinen Bezug zur Arktis zeigt. Sowohl die TEGETTHOFF- als auch die Leigh-Smith und die Jackson-Harmsworth Expedition benannten im übrigen Inseln und Kaps praktisch ausschließlich nach noch lebenden Teilnehmern, Gönnern, Angehörigen und sonstigen Personen, die mit der Expedition zu tun hatten, oder ausnahmsweise auch nach heimatlichen geographischen Namen. Schließlich findet sich im fraglichen Bereich der Payer Karte lediglich der Name Zichy Land für eine vage eingezeichnete, sich unabsehbar weit nach Westen und Norden erstreckende skizzierte Landmasse, keine Spur von "Prince George", genauso wenig bei Leigh Smith oder auf der Karte zu den geographischen Kenntnissen zu Beginn der Jackson-Harmsworth Expedition. Bis Anfang 1897 ist diese Region des Archipels auf den schrittweise besser werdenden Karten immer noch bestenfalls vage als Alexandra Land eingezeichnet (ab 1880), erst die britische Jackson Expedition stellte die Existenz einer eigenständigen Insel fest, die von ihr dann nach dem britischen Thronfolger Prince George of Wales (dem späteren König George V.) benannt wurde.

Heutiger Name: George Land.

Weitere Küstenpanoramen - Anklicken führt zu vergrößertem Bild in neuem Fenster:

Kap Neale von Westen
Kap Grant von Südwesten
Kap Stephens von Osten
Brussilow Eiskappe von Osten

Letzte Änderung: 24.04.2011